Omikron macht sich auf Intensivstationen noch nicht bemerkbar

Omikron macht sich auf Intensivstationen noch nicht bemerkbar
Trotz der Omikron-Welle ist die Zahl der Covid-Patienten auf den deutschen Intensivstationen zuletzt gesunken. Der Trend kann sich Intensivmedizinern zufolge aber umkehren.

Die Intensivmediziner sehen noch keine Auswirkung der Omikron-Welle auf die Intensivstationen. "Derzeit können wir auf den Intensivstationen die Omikron-Welle noch nicht ausmachen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Samstag). "In puncto Covid-19-Patienten können wir zum Glück weiterhin rückläufige Zahlen vermelden." Donnerstag sei man wieder unter die Marke von 3.000 Covid-Patienten gefallen.

Marx betonte, derzeit seien vor allem jüngere Menschen unter 35 Jahren mit der Omikron-Variante des Coronavirus infiziert. "Diese bilden deutlich seltener einen schweren Verlauf aus als ältere Menschen, sind also noch nicht oder nur vereinzelt Patienten auf unseren Intensivstationen."

Erwartet wird laut Marx, dass gegenüber der Delta-Variante, bei der etwa 0,8 Prozent aller Infizierten intensivmedizinisch versorgt werden mussten, deutlich weniger positiv Getestete einen so schweren Verlauf erleben. "Sollten die Inzidenzen durch die sehr schnelle Verbreitung stark ansteigen, ist das dann natürlich trotzdem ein Problem", warnte Marx.

Der Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, sprach sich derweil dafür aus, Daten über Corona-Infizierte auch auf den Normalstationen der Krankenhäuser zu erheben. "Wir brauchen endlich ein Monitoring, das wie das Intensivregister zuverlässig die mit Corona infizierten Krankenhauspatienten erfasst", sagte er der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstag).

"Bislang ist das ein nicht hinnehmbarer Blindflug, den wir uns nicht länger leisten können", erklärte der Intensivmediziner. Vor allem auf den Normalstationen könne die Lage dramatisch werden, "wenn die Fallzahlen weiterhin so durch die Decke gehen".

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz mahnte eine Datenerhebung auch für Alten- und Pflegeheime an. "Es fehlt weiterhin ein Pflege-Radar, vergleichbar mit dem DIVI-Intensivregister für Kliniken", sagte Stiftungs-Vorstand Eugen Brysch der "Rheinischen Post". "Somit sind keine Aussagen darüber möglich, wie viele Pflegeheimbewohner und Pflegekräfte infiziert, genesen sowie im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind."

Brysch beklagte, dass auch die Öffentlichkeit über das Infektionsgeschehen in einem Heim meist nur zufällig erfahre, etwa durch Journalisten oder Angehörige. "Bund und Länder sorgen hier nicht für Aufklärung und verschleiern so das wirkliche Ausmaß der Pandemie in der Altenpflege", kritisierte Brysch.

Am Samstag meldete das Robert Koch-Institut weitere 78.022 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Infektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche angibt, stieg auf den Rekordwert von 497,1.