Gewandhausdirektor beklagt Nachlässigkeit der Politik

Gewandhausdirektor beklagt Nachlässigkeit der Politik

Der Direktor des Leipziger Gewandhauses, Andreas Schulz, hat eine fehlende Würdigung der Pandemiekonzepte in der Kultur kritisiert. Aus seiner Sicht seien in den Sommermonaten auf administrativer und politischer Ebene keine vorausschauenden Schutzmechanismen etabliert worden - trotz Mahnungen von Ärzten und Virologen, sagte Schulz der "Leipziger Volkszeitung" (Freitag). Schließungsbedingte Schäden würden in Kauf genommen. Dennoch könne man nicht ständig alles nur auf die Politik schieben.

Angesichts der aktuellen Lage rechne er nicht damit, dass das Gewandhaus am 10. Januar wieder den Spielbetrieb aufnehmen kann, sagte der Konzerthaus-Direktor. Eine Schließzeit bis zum 9. Januar würde bereits 1,7 Millionen Euro weniger Einnahmen für sein Haus bedeuten: "Da es sich bei diesem aktuellen Lockdown um eine Notverordnung des Freistaates handelt, wird es nach bisherigem Stand auch keine Hilfen vom Bund geben. Ich hoffe sehr, dass Land und Stadt dann helfen."

Eine andere Herausforderung ist laut Schulz, das Publikum zurückzugewinnen: "Wir haben nachgefragt - und 40 Prozent unserer Abonnenten haben geantwortet, dass sie, solange die Pandemie nicht vollständig abgehakt ist, nicht zurückkommen." Er könne den Menschen die Angst und Sorgen nicht verübeln. Gleichzeitig betonte er, dass das Gewandhaus ein konsequentes Hygienekonzept vorweisen könne. Bislang habe es keinen dokumentierten Ansteckungsfall im Haus gegeben. Wegen der hohen Inzidenzzahlen bleiben in Sachsen alle Theater, Opern und Konzerthäuser bis zum 9. Januar geschlossen. Die Inzidenzzahl lag dort am Freitag laut Robert-Koch-Institut bei 1224,7.