Weiterer Verhandlungstag im Sachsenhausen-Prozess

Weiterer Verhandlungstag im Sachsenhausen-Prozess

Der Prozess wegen Beihilfe zu tausendfachem Mord im Konzentrationslager Sachsenhausen vor dem Landgericht Neuruppin ist am Freitag fortgesetzt worden. Der 101 Jahre alte Angeklagte Josef S. hat bislang bestritten, im KZ bei Oranienburg als Wachmann im Einsatz gewesen zu sein. Am 14. Verhandlungstag stehen weitere Erläuterungen eines Historikers über das KZ Sachsenhausen auf der Tagesordnung. Personalakten von dort belegen, dass Josef S. Mitglied verschiedener SS-Totenkopfwachbataillons war. (AZ: 11 Ks 4/21)

Am Donnerstag hatte sich Josef S. erstmals zur Zeit während des Zweiten Weltkrieges geäußert. Demnach will er nach seiner Umsiedlung als sogenannter Volksdeutscher von Litauen nach Deutschland vor allem von Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern) aus in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben gearbeitet haben. Zum Kriegsende sei er nach Kolberg abkommandiert worden, um als Zivilarbeiter Schützengräben zu schaufeln und Unterkünfte zu bauen. Anschließend sei er bis Juni 1946 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft gewesen.

Josef S. muss sich für die Zeit von Oktober 1941 bis Februar 1945 wegen Beihilfe zum grausamen und heimtückischen Mord in 3.518 Fällen verantworten. Es geht um die Erschießung sowjetischer Kriegsgefangener, die Ermordung von Häftlingen durch Giftgas und um die Tötung von Häftlingen durch die Schaffung und Aufrechterhaltung von lebensfeindlichen Bedingungen.

Wegen des Gesundheitszustandes des Angeklagten ist die Verhandlung nach Brandenburg an der Havel verlegt worden. Der Hochbetagte ist nur wenige Stunden am Tag verhandlungsfähig.