Kandidatin der Linken führt bei Präsidentschaftswahlen in Honduras

Kandidatin der Linken führt bei Präsidentschaftswahlen in Honduras

Bei den Präsidentschaftswahlen in Honduras zeichnet sich ein Sieg der Linkskandidatin Xiomara Castro ab. Nach Auszählung von mehr als einem Drittel der Stimmen konnte Castro von der Partei Libre nach Angaben des Nationalen Wahlrats (CNE) vom Sonntagabend (Ortszeit) über 53 Prozent der Stimmen für sich verbuchen. Für Nasry Asfura, der für die regierende konservative Partido Nacional antrat, stimmten 34 Prozent der Wählerinnen und Wähler. Sollte sich die Tendenz bestätigen, würde mit Castro erstmals eine Frau das oberste Staatsamt in Honduras antreten.

Wenn Castro gewinnt, würde Libre nach zwöfjähriger Herrschaft der rechten Partido National die Regierung übernehmen. Nach Bekanntwerden der ersten vorläufigen Ergebnisse erklärt sich die 62-Jährige bereits zur Wahlsiegerin. "Wir werden eine Regierung der Versöhnung des Friedens und der Gerechtigkeit bilden", sagte sie vor ihren Anhängern. Nach Angaben des Wahlrats haben sich über 68 Prozent der knapp 5,2 Millionen Wahlberechtigen an dem Urnengang beteiligt. CNE-Präsident Kelvin Aguirre sprach von einer "historischen Beteiligung".

Castro ist die Frau des ehemaligen Präsidenten Manuel Zelaya, der 2009 aus dem Amt geputscht wurde. Seit 2014 wird das Land von Staatschef Juan Orlando Hernández regiert. Der Politiker steht wegen seines repressiven Vorgehens gegen Oppositionelle in der Kritik. Ihm wird auch vorgeworfen, mit der Drogenmafia zu kooperieren. Honduras befindet sich in einer katastrophalen wirtschaftlichen Situation. Aufgrund der Corona-Pandemie und zwei Hurrikans stieg die Armut 2020 von knapp 60 Prozent 2019 auf 70 Prozent. Hunderttausende sind in wegen fehlender Arbeitsmöglichkeiten, Hunger und Gewalt Richtung USA geflüchtet.

Nach der Präsidentschaftswahl von 2017 wurden Fälschungsvorwürfe gegenüber der Regierung laut. Es kam zu Demonstrationen gegen mutmaßlichen Wahlbetrug, auch die Organisation Amerikanischer Staaten zweifelte die Legitimität des Urnengangs an. Kritiker befürchteten, dass es auch bei diesen Wahlen zu Betrugsversuchen kommen könnte.