Huber: So schnell wie möglich gesetzliche Impfpflicht für alle

Huber: So schnell wie möglich gesetzliche Impfpflicht für alle

Der evangelische Theologe und Ethiker Wolfgang Huber (79) spricht sich für eine gesetzliche Impfpflicht für alle aus. "So wie die Lage ist, brauchen wir eine gesetzliche Impfpflicht für alle - so schnell wie möglich", sagte Huber dem Evangelischen Pressedienst (epd). Vor einer möglichen rechtlichen Pflicht komme jedoch eine moralische Pflicht, betonte der Berliner Altbischof und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Ob man selbst eine moralische Impfpflicht habe, hänge nicht davon ab, ob der Staat sie verordne, betonte Huber. Die moralische Impfpflicht gelte unter drei Gesichtspunkten: "Der Verantwortung für sich selbst, der Verantwortung für die Mitmenschen und im Hinblick auf die Gesellschaft, die auf eine höhere Impfquote angewiesen ist, um eine Chance auf ein Ende der Pandemie zu haben", sagte er.

Wenn sich rechtlich eine allgemeine Impfpflicht nicht so schnell umsetzen lässt, müsste laut Huber die Impfpflicht für besondere Berufsgruppen vorgezogen werden. "Ich sehe in ihr aber nicht eine Alternative zur allgemeinen Impfpflicht, sondern einen ersten Schritt zu einer Impfpflicht für alle", betonte der Theologe.

Wer in einer Impfung einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit sehe, müsse sich fragen, in welchem Verhältnis diese Unversehrtheit zu den bisher 100.000 Corona-Toten in Deutschland stehe, sagte Huber. Wer prinzipiell mit der Selbstbestimmung argumentiere und sage, das Impfen stelle einen Eingriff in die persönliche Freiheit dar, müsse sich fragen, ob er nicht dazu beitrage, dass erneut ein sehr weitgehender Lockdown nötig werde.

Huber sagte, man solle eine Debatte über die Impfpflicht nicht aus falscher Rücksichtnahme vermeiden. "Wir sind auf einem falschen Weg, wenn wir aus Angst vor einer gesellschaftlichen Polarisierung darauf verzichten, Prozesse der Verständigung anzustoßen. Es geht nicht darum, vor Impfgegnern zu kapitulieren, sondern sie zu gewinnen." Dies sei eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft.