Gedenkstätten-Stiftung besorgt um "Memorial"

Gedenkstätten-Stiftung besorgt um "Memorial"

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora hat vor einer möglichen Zwangsauflösung der russischen Menschenrechtsorganisation "Memorial" durch die Justiz gewarnt. "'Memorial' ist weltweit eines der besten Beispiele für eine gelungene historische Aufarbeitung von vergangenem Unrecht verschiedener Systeme", erklärte Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner am Freitag in Weimar. Das Eintreten von "Memorial" für die Entschädigung sowjetischer Opfer der NS-Zwangsarbeit und für Menschenrechte zeige, "wie historisches Verstehen einer Zivilgesellschaft in der Gegenwart Orientierung geben kann".

Wagner verwies dabei auf eine langjährige Zusammenarbeit der Stiftung mit "Memorial" etwa bei der Erforschung der Geschichte des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 in Buchenwald. "Wir dürfen nicht wortlos hinnehmen, wie die Stimmen der Kolleginnen und Kollegen nun zum Verstummen gebracht werden sollen", betonte der Gedenkstättenchef.

"Memorial" wurde den Angaben zufolge am Donnerstag darüber informiert, dass die russische Generalstaatsanwaltschaft beim Obersten Gerichtshof Russlands ein "Liquidationsverfahren" gegen die Nichtregierungsorganisation eingeleitet hat. Sie ist seit 2016 in Russland als "Ausländischer Agent" registriert, weil sie teilweise aus dem Ausland finanziert wird. Ihr wird vorgeworfen, gegen ein entsprechendes Gesetz verstoßen zu haben.

Die Menschenrechtsorganisation wurde 1988 in Moskau gegründet. "Memorial" erhielt unter anderem 2004 den Alternativen Nobelpreis und 2009 den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments.