Caritas: Klimaschutz sozial verträglich gestalten

Caritas: Klimaschutz sozial verträglich gestalten
Hilfswerk fordert mehr Engagement gegen Armut
Mehr Engagement der Politik für arme Menschen fordert die Caritas. Auch beim Thema Klimaschutz müsse auf eine sozial gerechte Ausgestaltung geachtet werden. Sonst drohe eine weitere gesellschaftliche Spaltung.

Die Caritas hat die Politik aufgefordert, mehr gegen die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich zu unternehmen. Der scheidende Caritas-Präsident Peter Neher forderte die Teilnehmer der laufenden Sondierungsgespräche von SPD, Grünen und FDP auf, mehr an arme und verletzliche Menschen in der Gesellschaft zu denken. Dies werde im politischen Prozess nicht genügend wahrgenommen, sagte er am Donnerstag in Freiburg: "Teilhabe und gesellschaftlicher Zusammenhalt muss groß geschrieben werden."

Auch die neu gewählte Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa appellierte an die Politik, die gesellschaftlich Abgehängten nicht zu vergessen. Dazu gehöre etwa auch ein sozial gerechter Klimaschutz. Die Volkswirtschaftlerin war am Mittwoch von der Delegiertenversammlung als Nachfolgerin von Peter Neher gewählt worden, der nach 18 Jahren nicht mehr kandidierte. Sie tritt ihr Amt als Präsidentin der katholischen Hilfswerks Mitte November an.

Welskop-Deffaa sagte, sie stehe für Kontinuität, aber - als erste Frau an der Spitze des katholischen Wohlfahrtverbandes - auch für Wandel. Ihre Wahl bezeichnete sie als ein Zeichen, dass Veränderung in der katholischen Kirche möglich sei. Schließlich seien mehr als 80 Prozent der 693.000 Beschäftigten der Caritas in Deutschland Frauen. Sie wolle dazu beitragen, "die Türen der Kirche von innen aufzustoßen".

Als wichtige Themen für ihre Amtszeit bezeichnete sie die Digitalisierung, sozial gerechten Klimaschutz, Sicherung einer engmaschigen sozialen Infrastruktur sowie die Wahrnehmung der internationalen Verantwortung des Deutschen Caritasverbandes. Ein großes Anliegen sei ihr auch die "Dauerbaustelle Pflege".

Neher forderte die nächste Bundesregierung dazu auf, den Klimaschutz sozial gerecht zu gestalten. Die Ärmsten trügen am wenigsten dazu bei, litten aber am meisten unter den Folgen. Als eine Maßnahme forderte er eine höhere CO2-Bepreisung, die mit einer Rückvergütung gekoppelt werden müsse.

Das Dienstwagenprivileg bezeichnete Neher als "unzeitgemäß" und teuer. Zudem fördere es die soziale Spaltung. Dagegen sei ein einkommensabhängiger, kostenloser ÖPNV eine sinnvolle Maßnahme für sozial gerechten Klimaschutz. Auch die energetische Sanierung von Wohnungen müsse sozial verträglich erfolgen. Die Caritas selbst will bis 2030 klimaneutral werden.

Zur Flüchtlingspolitik sagte Neher, "wir brauchen reguläre sowie zeitlich befristete Zuwanderung". Nur so lasse sich der Arbeitskräftemangel beheben. Eines der Ziele, die er in den 18 Jahren seiner Amtszeit nicht erreicht habe, sei das Überwinden der Kinderarmut.

Die Caritas hatte mit Eva M. Welskop-Deffaa am Mittwoch erstmals eine Frau an ihre Spitze gewählt. Die Volkswirtschaftlerin war im zweiten Wahlgang von der Delegiertenversammlung gewählt worden. Die 62 Jahre alte Welskop-Deffaa war seit 2017 Fach- und Sozialvorstand des Deutschen Caritasverbandes. Zuvor war sie unter anderem im Bundesfamilienministerium und im Bundesvorstand von ver.di tätig. Welskop-Deffaa wurde für sechs Jahre gewählt.