EKD-Chef verbindet mit Merkel "Glanzstunde deutscher Geschichte"

EKD-Chef verbindet mit Merkel "Glanzstunde deutscher Geschichte"
22.09.2021
epd
epd-Gespräch: Corinna Buschow

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat seine Unterstützung für Angela Merkels (CDU) Kurs in der Flüchtlingspolitik im Jahr 2015 erneut unterstrichen. "Es war ein Segen, dass 2015 ein Mensch an der Spitze unseres Landes stand, der trotz aller politischen Schwierigkeiten und Risiken, die damit verbunden waren, der Humanität den Vorrang gegeben hat", sagte der bayerische Landesbischof in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das sei ein guter Grund, "sie als Regierungschefin zu vermissen", sagte er mit Blick auf die Kanzlerin, die bei der Bundestagswahl am Sonntag nicht erneut kandidiert.

Bedford-Strohm, der als Bischof vor Ort in München 2015 die Ankunft Zehntausender Schutzsuchender miterlebte, sagte, ihm gefalle nicht, "wie einige im Nachhinein schlecht machen, was sowohl die Regierungen als auch viele Menschen in den Behörden, Verwaltungen, Ländern, Kommunen und vor allem Ehrenamtliche geleistet haben". Natürlich sei es eine Kraftanstrengung, innerhalb so kurzer Zeit die erforderlichen Kapazitäten zu schaffen. "Umso mehr war es eine Glanzstunde der deutschen Geschichte, dass Deutschland geholfen hat", sagte er.

Genauso sei es eine Glanzstunde der Wirtschaft gewesen, so viele Menschen zu integrieren, "die wir als Fachkräfte ja auch brauchen", sagte Bedford-Strohm. "Ich habe das selbst erlebt: Die wichtigste Bezugsperson meines Vaters in seinem letzten Lebensjahr im Pflegeheim war neben der Familie ein irakischer Flüchtling, der als Pfleger für ihn zum Segen geworden ist."

Der 61-jährige Theologe will sich im November vom Amt des EKD-Ratsvorsitzenden zurückziehen. Bei der Neuwahl des Rates tritt er nicht mehr an. Die Flüchtlingspolitik war eines der Hauptthemen von Bedford-Strohm als Repräsentant der Protestanten in Deutschland. "Unser konkretes humanitäres Engagement wird gewürdigt und hat auch etwas bewegt", zeigt er sich rückblickend überzeugt. "Ohne die Kirchen, sagen viele Menschen, hätten wir die Aufnahme 2015 nicht geschafft", sagte er. Auch die Stimme der Kirchen habe Gewicht. "Wir haben eine ganz andere Stimmung in Deutschland als etwa in Ungarn. Das hat auch damit zu tun, dass die Kirchen hierzulande klar Flagge gezeigt haben", sagte er.