Marburger Bund weist Forderung nach Corona-"Freedom Day" zurück

Marburger Bund weist Forderung nach Corona-"Freedom Day" zurück

Die Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna, hat die Forderung von Kassenärztechef Andreas Gassen nach einer Aufhebung aller Corona-Beschränkungen Ende Oktober zurückgewiesen. Sie finde es nicht kollegial, zunehmende Belastungen von Kliniken durch mehr Covid-19-Patienten "einfach zu ignorieren, weil man das Maskentragen leid ist", sagte Johna dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Dienstag). Zunächst müsse mehr geimpft werden. Die Impfquote sei viel zu niedrig, um Maßnahmen wie die Maskenpflicht in Innenräumen aufzuheben.

Gassen hatte am Wochenende die Politik in Deutschland aufgefordert, sich Großbritannien zum Vorbild zu nehmen. Dort waren am 19. Juli fast alle Corona-Beschränkungen aufgehoben worden. Gassen sagte, die Politik müsse eine klare Ansage machen: "In sechs Wochen ist auch bei uns 'Freedom Day'! Am 30. Oktober werden alle Beschränkungen aufgehoben!" Bei Experten und Politikern stieß Gassens Forderung auf massive Kritik.

Auch Johna sagte, Großbritannien könne nicht als Vorbild für Deutschland gelten. Denn dort sei der Anteil geimpfter Menschen größer, und in der Bevölkerung gebe es eine höhere Immunität infolge des zurückliegenden Infektionsgeschehens, erklärte die Vorsitzende des Marburger Bunds.

In Deutschland sind derzeit nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 67,2 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft worden (Stand Montagabend). 63,1 Prozent haben den vollständigen Schutz, für den bei den meisten Vakzinen eine zweite Impfung notwendig ist. Die sogenannte Herdenimmunität setzt nach Schätzung des RKI eine Impfquote von mehr als 80 Prozent voraus.