"Ärzte ohne Grenzen": Corona-Pandemie verschlimmert Lage im Libanon

"Ärzte ohne Grenzen": Corona-Pandemie verschlimmert Lage im Libanon

Ein Jahr nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut beklagt "Ärzte ohne Grenzen" eine weitere Verschlechterung der humanitären Lage in der libanesischen Hauptstadt. Neben der seit Ende 2019 herrschenden massiven wirtschaftlichen und politischen Krise habe die Covid-19-Pandemie das Land stark getroffen, beklagte die Hilfsorganisation am Dienstag in Berlin. Mittlerweile sei die Hälfte der libanesischen Bevölkerung verarmt. Arztbesuche stellten einen absoluten Luxus dar.

Anhaltend großem Bedarf an medizinischer und psychologischer Hilfe im Libanon stehe ein weitgehend privatisiertes Gesundheitssystem gegenüber. "Deswegen gibt es immer mehr Menschen, die sich keinen Arzt oder keine Medikamente leisten können", erklärte der Projektkoordinator der Hilfsorganisation, Hammoud al-Shall.

Sowohl Einheimische als auch Geflüchtete leiden der Hilfsorganisation zufolge überdies an traumatischen Erfahrungen in Zusammenhang mit Krieg oder Vertreibung. Zahlreiche Patientinnen und Patienten suchten wegen Depressionen und Angstzuständen in Einrichtungen von "Ärzte ohne Grenzen" psychologische Hilfe.

Am 4. August 2020 war es auf dem Hafengelände von Beirut zu einer gewaltigen Detonation gekommen, die das Zentrum der Stadt verwüstete. Mehr als 200 Menschen kamen ums Leben. Grund für die Explosion waren 2.700 Tonnen Ammoniumnitrat, die jahrelang offenbar mit dem Wissen von Regierungsmitgliedern ungesichert im Hafen gelagert wurden.