Zentralrat: Jesiden im Nordirak sind Willkür von Milizen ausgeliefert

Zentralrat: Jesiden im Nordirak sind Willkür von Milizen ausgeliefert

Sieben Jahre nach dem Überfall der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf Jesiden im Nordirak trauen sich viele Angehörige der religiösen Minderheit noch immer nicht zurück in ihre Heimatdörfer. In der Sindschar-Region hätten sich kurdische und schiitische Milizen breitgemacht und bedrohten die Menschen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Jesiden in Deutschland, Irfan Ortac, dem Evangelischen Pressedienst (epd). "In diesem Jahr sind einige junge Jesiden getötet worden, ohne das man weiß, wer es war." Das Gebirge, in das die Jesiden einst vor den Dschihadisten geflohen sind, sei heute eine Tabu-Zone.

Am 3. August 2014 hatte der Völkermord des IS an den Jesiden begonnen. Schätzungen zufolge wurden damals mindestens 5.000 Männer getötet, Tausende Frauen und Kinder verschleppt. Im Dezember 2017 verkündete der Irak die Vertreibung der Dschihadisten, aber immer noch befinden sich laut dem Zentralrat mehr als 2.670 jesidische Mädchen und Frauen in der Gewalt von Islamisten in der Region.

Derzeit werden laut Ortac selbst Minderjährige von kurdischen und schiitischen Milizen in der Region gezielt rekrutiert. Auch viele Mädchen würden angeworben und mit Versprechen gelockt, wonach sie als Kämpferinnen mehr Freiheiten hätten, nicht mehr auf Vater oder Bruder hören müssten oder auch, dass sie bei den Milizen lernen würden, sich zu wehren.

Ortac forderte die Bundesregierung auf, darauf zu achten, dass von den Millionen-Aufbauhilfen, die aus Deutschland in den Irak fließen, auch Regionen der Jesiden profitierten. Die Zentralregierung in Bagdad und die kurdische Regierung in Erbil müssten dafür sorgen, dass Jesiden in ihrer Heimat geschützt seien.