Neuer Fund: Neandertaler jagten Großwild auf Schwäbischer Alb

Neuer Fund: Neandertaler jagten Großwild auf Schwäbischer Alb

Blaubeuren, Tübingen (epd). Schon in der Mittleren Altsteinzeit vor mehr als 65.000 Jahren jagten die Neandertaler auf der Schwäbischen Alb mit komplex hergestellten Waffen Großwild wie Rentiere oder Wildpferde. Das belegt ein neuer Fund aus der Welterbe-Höhle Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb nahe Schelklingen, wie die Universität Tübingen und das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren am Donnerstag gemeinsam mitteilten. Der Fund sei eine exzellent erhaltene, blattförmig bearbeitete Hornsteinspitze, eine sogenannte Blattspitze. Er stamme aus der Zeit der Neandertaler, sei Teil einer Stoßlanze gewesen und verrate viel Neues über die kognitiven und handwerklichen Fähigkeiten der Neandertaler.

Die Blattspitze ist 7,6 Zentimeter lang und 4,1 Zentimeter breit, ihr Alter betrage mehr als 65.000 Jahre. Die sogenannte Blattspitzengruppe in Südwestdeutschland wurde bislang im Allgemeinen deutlich später - etwa um 45.000 bis 55.000 Jahre vor heute - datiert. Im Gegensatz zu den gut belegten hölzernen Jagdwaffen der Älteren Altsteinzeit haben die Neandertaler der Mittleren Altsteinzeit in Holzspeeren geschäftete Steinspitzen bei der Großtierjagd eingesetzt. Die Blattspitze wird nun bis Anfang Januar 2022 im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu) als Fund des Jahres ausgestellt.