Peru: Untersuchungshaft für Präsidentschaftskandidatin beantragt

Peru: Untersuchungshaft für Präsidentschaftskandidatin beantragt

In Peru hat die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft gegen die Präsidentschaftskandidatin Keiko Fujimori beantragt. Sie habe gegen Bewährungsauflagen verstoßen, erklärte die Behörde am Donnerstag (Ortszeit) laut der Zeitung "La República". Derweil liegt vier Tage nach der Stichwahl um die Präsidentschaft immer noch kein amtliches Endergebnis vor. Nach Auszählung aller Stimmen liegt der Linkspolitiker Pedro Castillo mit 50,17 Prozent knapp vor der Rechtskonservativen Fujimori. Sie kam nach Angaben der Nationalen Wahlbehörde auf 49,82 Prozent. Die Differenz zwischen den Kandidaten beträgt demnach weniger als 70.000 Stimmen.

Fujimori, die bereits zum drittenmal in einer Stichwahl stand, sprach von Wahlbetrug und will die Neuauszählung von Stimmen in zahlreichen Wahlbezirken durchsetzen. 933 Wahlakten wurden bereits der Nationalen Wahlkommission zur Überprüfung übergeben. Insgesamt will Fujimoris rechtspopulistische Partei Fuerza Popular (Volkskraft) die Neuauszählung von rund 200.000 Stimmen durchsetzen. Ihre Anhänger demonstrierten dafür vor dem Büro der Wahlkommission. Wahlbeobachterinnen und -beobachter der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und der EU erklärten hingegen, es habe keine gravierenden Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung gegeben.

Den Antrag der Staatsanwaltschaft nannte Fujimori indes "absurd". Die 46-Jährige ist in den Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht verwickelt und verbrachte insgesamt 16 Monate in Untersuchungshaft. Sie ist die Tochter des früheren autoritären Präsidenten Alberto Fujimori (1990 bis 2000), der eine 25-jährige Haftstrafe wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verbüßt.

Castillo, der sich bereits selbst zum Wahlsieger ernannte, rief seine Anhänger auf, Ruhe zu bewahren. "Lass uns ein anderes Peru machen. Lasst uns eine gerechtere Gesellschaft schaffen", sagte er. Der Sohn von Kleinbauern will sämtliche transnationale Verträge im Bergbau neu verhandeln und den Staat mit 80 Prozent an den Einnahmen beteiligen, um das marode Gesundheits- und Bildungssystem zu sanieren. Der Grundschullehrer und Gewerkschafter genießt in der ländlichen ärmeren Bevölkerung den größten Rückhalt, während Fujimori in den Städten und bei den Wählern im Ausland gewann.

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