Corona: Entwicklungsexperten fordern mehr Impfstoff für arme Länder

Corona: Entwicklungsexperten fordern mehr Impfstoff für arme Länder

Entwicklungsexperten haben eine gerechtere Verteilung von Corona-Impfstoffen gefordert. "Erst wenn alle Länder Zugang zu den Impfstoffen haben, ist die Pandemie vorbei", sagte die Tropenmedizinerin und Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm), Gisela Schneider, am Donnerstag bei einer Veranstaltung des "Bonner General-Anzeigers" und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Bonn. Dafür müsse auch der Patentschutz für die Corona-Impfstoffe ausgesetzt werden, forderte sie.

Die Direktorin des in Tübingen ansässigen Instituts verwies auf die niedrige Impfquote in afrikanischen Ländern. In Afrika seien erst zwei Prozent der Bevölkerung geimpft, in der Demokratischen Republik Kongo sogar erst weniger als 0,2 Prozent. Es reiche nicht, dass Pharmakonzerne Impfstoffe an arme Länder spendeten, sondern es brauche einen Technologietransfer. In Indien und in manchen afrikanischen Ländern gebe es Firmen, die Corona-Impfstoffe herstellen könnten, sagte Schneider: "Die Welt darf nicht von wenigen Pharmakonzernen abhängig sein."

Auch der GIZ-Mitarbeiter Matthias Rompel forderte eine fairere Verteilung von Corona-Impfstoffen. "Impfen ist der Weg aus der Pandemie", sagte der Experte für das südliche Afrika. Es müsse gewährleistet werden, dass Menschen weltweit Zugang zu den Impfstoffen haben. Gleichzeitig brauche es in vielen afrikanischen Ländern Investitionen in das Gesundheitswesen und die sozialen Sicherungssysteme. "Eine Krankenversicherung verhindert zwar keinen Pandemieausbruch", sagte Rompel. Sie stelle aber sicher, dass auch erkrankte Menschen mit wenig Geld behandelt werden.

Bettina Iseli, Programmdirektorin bei der Welthungerhilfe, warnte vor den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie in armen Ländern. Corona sei ein "Brandbeschleuniger für bestehende Probleme", sagte sie. Im Süden von Madagaskar etwa sei infolge des Lockdowns und einer Dürre eine Hungersnot ausgebrochen. "Wir dürfen die sozialen Folgen der Pandemie in den ärmsten Ländern nicht aus dem Blick verlieren", sagte Iseli.

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