Holz statt Stahlbeton für Klimaschutz

Holz statt Stahlbeton für Klimaschutz
Klimaexperten fordern Bauwende und starten Architekturinitiative
Nicht nur Flugreisen, Autoverkehr oder Fleischkonsum sind Treiber des Klimawandels. Weltweit trägt der Bausektor mit rund 40 Prozent zu den Treibhausgas-Emissionen bei. Dringend nötig ist deshalb eine Bauwende, sagen Experten.

Im Kampf gegen den Klimawandel haben sich führende Experten für eine radikale Wende beim Gebäudebau ausgesprochen. Die Baubranche sei ein Schlüsselsektor zur Erreichung der weltweiten Klimaziele, sagte der Gründer und Direktor Emeritus des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber, am Mittwoch in Berlin. Das Bauen, Betreiben und Abreißen von Gebäuden trage zu etwa 40 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen bei.

Diese Dimension sei in der Klimadebatte und von Entscheidungsträgern bislang zu wenig berücksichtigt worden. "Wenn wir die gebaute Umwelt nicht in die Klimagleichung einbeziehen, dann haben wir keine Chance, die Zwei-Grad-Linie von Paris zu halten", betonte Schellnhuber.

Der renommierte Klimaforscher forderte von einer neuen Bundesregierung zudem die Schaffung eines eigenen Bauressorts: "Bislang fristet der Baubereich in der deutschen Politik ein Stiefkinddasein." Künftig müsse es ein zentrales Ressort geben, das auf die Themen ländlicher Raum und Baukultur ausgerichtet ist: "Das ist ein absolutes Zukunftsthema und sollte genauso auch gewichtet werden in einer neuen Bundesregierung."

Gemeinsam mit dem Präsidenten des Umweltbundesamtes (UBA), Dirk Messner, und der Architektur-Professorin der Universität Wuppertal Annette Hillebrandt stellte Schellnhuber eine neue Initiative mit dem Titel "Bauhaus der Erde" vor. Aufgerufen wird darin zu einer "grünen Bauhaus-Bewegung des 21. Jahrhunderts".

Die Initiative fordert unter anderen die Substitution von Stahlbeton durch organische Baustoffe wie Holz oder Bambus. Damit könnten erhebliche Mengen an klimaschädlichen Emissionen vermieden werden. Zudem würden organische Baustoffe klimaschädliches Kohlendioxid speichern. "Mit regenerativer Architektur könnten wir uns quasi aus der Klimakrise herausbauen", sagte Schellnhuber.

Messner erklärte, der Gebäudebereich hinke beim Klimaschutz in Deutschland noch hinterher. Es sei offensichtlich, dass hinsichtlich Primärenergiebedarf und Treibhausgaspotenzial grundsätzlich die Holzbauweise besser abschneidet als die Massivbauweise. Die ungenutzten Potenziale des Holzbaus müssten gehoben werden, sagte der UBA-Chef.

Mit einer Bauwende verbunden werden müsse zudem eine nachhaltige Forstwirtschaft, betonten die Experten weiter. "Das Bauen mit Holz muss erfolgen im Einklang mit dem für den Klimaschutz erforderlichen Waldumbau und dem Schutz des Lebensraums Wald und seinen vielfältigen Funktionen für Biodiversität, Grundwasserbildung und Erholung", unterstrich Messner. Grundvoraussetzung für das nachhaltige Bauen mit Holz sei zudem der Einsatz von international einheitlich zertifiziertem Holz, "welches durch funktionierende Lieferketten-Trackingsysteme die Herkunft aus Schutzgebieten eindeutig ausschließt".

Hillebrandt unterstrich, dass zur Senkung der CO2-Emissionen und des "immensen Abfallaufkommens aus dem Bausektor" auch Baubestand erhalten werden müsse. Für eine Weiternutzung von Gebäuden sollten nachwachsende Baustoffe rückbau- und recyclingfreundlich eingesetzt werden. Mit jedem Haus müsse der Welt etwas zurück gegeben werden. "Müll - damit meine ich auch CO2 - ist ein Designfehler!", erklärte die Architektur-Professorin.

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