Tausende gehen für Frieden und Abrüstung auf die Straße

Berliner Ostermarsch unter Corona Bedingungen

© epd-bild/Rolf Zöllner

Allein in Berlin forderten rund 450 Ostermarschierer "Schluss mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr" beim diesjährigen Ostermarsch. Deutschlandweit haben an den Ostertagen mehrere tausend Menschen in rund hundert Orten für Frieden, Abrüstung und Gerechtigkeit unter Corona Bedingungen demonstriert.

Tausende gehen für Frieden und Abrüstung auf die Straße
Friedensbewegung zieht positive Bilanz der Ostermärsche
Eintreten für Frieden, Abrüstung und eine atomwaffenfreie Welt: Anders als 2020 beteiligen sich in diesem Jahr viele Menschen an öffentlichen Ostermarsch-Aktionen - mit Abstand und Maske.

Düsseldorf (epd). Trotz Corona-Pandemie haben an den Ostertagen mehrere tausend Menschen in rund hundert Orten für Frieden, Abrüstung und Gerechtigkeit demonstriert. Die Veranstalter der diesjährigen Ostermärsche zogen zum Abschluss am Montag eine zufriedene Bilanz. Zahlreiche Anhänger der Friedensbewegung seien auf die Straße gegangen, ergänzend habe es virtuelle Veranstaltungen gegeben. Im vergangenen Jahr hatte es wegen der Pandemie fast ausschließlich Online-Veranstaltungen gegeben, in diesem Jahr schwankte die Zahl der Präsenz-Teilnehmer je nach Ort zwischen wenigen Dutzend und mehreren hundert.

An den Kundgebungen, Wanderungen, Fahrradtouren oder Andachten hätten sich die Aktivisten mit Maske und Abstand sowie unter Einhaltung der Hygienekonzepte beteiligt, erklärte das Netzwerk Friedenskooperative. Sie hätten damit gezeigt, wie verantwortungsvoller und achtsamer Protest aussehen könne. Hauptforderungen der Ostermarschierer waren eine Senkung der Rüstungsausgaben, ein deutscher Beitritt zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag und der Stopp von Waffenexporten.

Nötig sei ein grundlegendes Umdenken, sagte Kristian Golla von der Friedenskooperative. "Wir fordern Abrüstung, damit eine Umverteilung der Gelder in zivile Bereiche, für bessere medizinische Versorgung, Bildung und soziale Gerechtigkeit stattfinden kann." Auch mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst verlangten Redner mehrerer Ostermärsche einen grundlegenden Politikwechsel.

Eine Hauptforderung war, dass Deutschland dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag beitritt, der im Januar in Kraft trat. Atomwaffen müssten in der Folge aus Deutschland abgezogen und verschrottet werden. Der Protest richtete sich auch gegen die Bewaffnung von Drohnen der Bundeswehr, die dann als Angriffswaffen die Schwelle zum Kriegseinsatz senken würden. Das Militär wurde außerdem als einer der größten "Klimakiller" angeprangert. Der Klimawandel wirke destabilisierend auf die internationalen Beziehungen und steigere damit die Kriegsgefahr.

Zum Abschluss des dreitägigen Ostermarsches Rhein-Ruhr, an dem sich laut Organisatoren insgesamt tausend Menschen beteiligten, kamen am Montag etwa 200 Menschen in der Dortmunder Innenstadt zusammen. Weitere Stationen seit Karsamstag waren unter anderem Köln, Düsseldorf, Duisburg, Gronau, Essen, Gelsenkirchen, Wattenscheid, Herne und Bochum. In Frankfurt am Main gingen laut Polizei am Ostermontag mehrere hundert Menschen auf die Straße.

In Büchel in der Eifel demonstrierten am Montag rund 90 Menschen für den Abzug der US-Atomwaffen, die im dortigen Fliegerhorst vermutet werden. "Wir sind hier, weil hier immer noch diese Massenvernichtungswaffen lagern, die längst geächtet gehören", sagte der evangelische Pfarrer Matthias Engelke. Der Trierer Informatiker Karl-Hans Bläsius warnte vor einem Atomkrieg aus Versehen. Nach Ende des INF-Vertrages drohe zudem ein neues Wettrüsten mit neuartigen Waffensystemen, auch führe der Klimawandel zu neuen Flüchtlingsursachen und politischen Krisen.

Die Ostermarsch-Bewegung war in Großbritannien entstanden, wo am Karfreitag 1958 in London unter der Regie des britischen Philosophen Bertrand Russel 10.000 Menschen für die atomare Abrüstung demonstrierten. In Deutschland fand der erste Ostermarsch 1960 statt. Höhepunkte erlebte die Ostermarsch-Bewegung in Deutschland in den Zeiten der Anti-Atomkraft-Bewegung sowie im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg und der Debatte über die Nato-Nachrüstung.

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