UN-Sondergesandte warnt vor Bürgerkrieg in Myanmar

UN-Sondergesandte warnt vor Bürgerkrieg in Myanmar
Zunehmend Angriffe auf Kliniken und medizinisches Personal
Seit dem Putsch vor zwei Monaten eskaliert in Myanmar die Gewalt. Soldaten und Polizei gehen zunehmend brutal gegen Demonstrierende und auch medizinisches Personal vor. Junta-Gegner verbrennen Kopie der umstrittenen Verfassung.

Die UN-Sondergesandte für Myanmar, Christine Schraner Burgener, hat vor einem Bürgerkrieg in dem südostasiatischen Krisenland gewarnt. In Myanmar verschlimmere sich die Lage und ein Blutbad stehe bevor, erklärte die die Sondergesandte vor dem UN-Sicherheitsrat am Mittwoch (Ortszeit) in New York. Der Sicherheitsrat müsse eine Katastrophe im Herzen Asiens verhindern, verlangte die Schweizerin. Die Welt habe zu lange den schweren Verbrechen des Militärs in Myanmar zugeschaut. Nach Angaben der Hilfsorganisation für politische Gefangene AAPP wurden seit dem Putsch am 1. Februar mindestens 536 Menschen getötet.   

Derweil gingen am Donnerstag die landesweiten Proteste gegen das Militärregime weiter. Junge Aktivistinnen und Aktivisten verbrannten öffentlich eine Kopie der umstrittenen Verfassung von 2008, mit der Myanmars Militärs ihre Macht hatten festschreiben lassen. Das berichteten die Nachrichtenportale "Myanmar Now" und "Irrawaddy". Ein Vertreter des Komitees aus Abgeordneten des entmachteten Parlaments hatte am Tag zuvor in den sozialen Medien erklärt, die Verfassung sei mit sofortiger Wirkung außer Kraft gesetzt.  

Zunehmend werden den Medienberichte zufolge nicht nur Demonstrierende, sondern auch Krankenhäuser und medizinisches Personal angegriffen. Auch die Internationale Föderation des Roten Kreuzes beklagte Gewalt gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: In einigen Fällen seien Helfer und Sanitäter zu Unrecht festgenommen, eingeschüchtert oder verletzt worden, kritisierte Asien-Pazifik-Direktor Alexander Matheou. Auch Eigentum und Krankenwagen seien beschädigt worden, was inakzeptabel sei: "Gesundheitspersonal sollte niemals eine Zielscheibe sein, es sollte stattdessen uneingeschränkten humanitären Zugang zu Menschen in Not erhalten."  

Polizei und Militär gehen immer brutaler gegen die Bevölkerung vor, die trotz der Repression seit dem Putsch gegen das Militär protestiert. Allein am Samstag waren mindestens 114 Zivilisten von Armee und Polizei getötet worden, darunter mehrere Kinder. Das Massaker löste weltweit Empörung aus.

Die abgesetzte De-facto-Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hatte am Mittwoch erstmals seit ihrer Entmachtung in einem virtuellen Treffen eine Anwältin sprechen dürfen. Den Angaben nach ist Suu Kyi "bei guter Gesundheit". Für Donnerstag war eine weitere Anhörung angesetzt. Das Militärregime wirft Suu Kyi unter anderem Korruption vor.  

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR forderte die Nachbarländer Myanmars indes auf, Geflohene aufzunehmen. Jeder Mensch habe ein Recht auf ein Asylverfahren. Nach Luftangriffen der Armee auf Gebiete im Osten Myanmars, die von Karen-Rebellen kontrolliert werden, waren Tausende Menschen geflüchtet, ein Teil davon Richtung Thailand.   

epd ng/her nam

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