Experte: 1,6 Millionen Kinder arbeiten auf Kakaoplantagen Westafrikas

Experte: 1,6 Millionen Kinder arbeiten auf Kakaoplantagen Westafrikas
30.03.2021
epd-Gespräch: Mey Dudin
epd

Das geplante deutsche Lieferkettengesetz wird sich nach Einschätzung des Menschenrechtsexperten Friedel Hütz-Adams auch auf die deutsche Schokoladenbranche auswirken. "Rund zehn Prozent der Welternte von Kakao wird in deutschen Fabriken zu Schokolade weiterverarbeitet", sagte der Wissenschaftliche Mitarbeiter des Bonner Südwind-Instituts im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ein großer Teil des Kakaos stamme aus Westafrika. Dort seien viele Beweise für Kinderarbeit und Armutseinkommen zu finden.

Laut Hütz-Adams arbeiten auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste und Ghanas etwa 1,6 Millionen Kinder unter schlimmsten Bedingungen: "Sie hantieren mit Macheten, bringen Pestizide aus, schleppen zu schwere Lasten und versäumen dadurch die Schule." Die meisten Kleinbauern seien unorganisiert. "Sie haben keinen Einfluss auf den Kakaopreis, denn sie haben keine Verhandlungsmacht gegenüber den Großkonzernen, die den Schokoladenmarkt beherrschen und die Preise drücken." Von einer in Deutschland für 89 Cent verkauften Tafel Milchschokolade kämen weniger als sechs Cent bei einem Bauern in Ghana an, erklärte Hütz-Adams.

Ein Lieferkettengesetz soll große deutsche Firmen künftig stärker in die Pflicht nehmen, auf die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutz bei Zulieferern im Ausland zu achten. Die Sorgfaltspflicht der Firmen soll etwa für das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, für die Einhaltung von Arbeits- und Umweltstandards sowie für faire Löhne gelten. Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften mit Sitz in Deutschland sollen bei Menschenrechtsverletzungen im Ausland vor deutschen Gerichten klagen können, wenn die Opfer dem zustimmen. Außerdem drohen Firmen hohe Bußgelder bei Verstößen gegen das Regelwerk.

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