Experte: Glaubenswechsel ist "Nagelprobe" für Religionsfreiheit

Experte: Glaubenswechsel ist "Nagelprobe" für Religionsfreiheit

Nach Ansicht des Menschenrechtsexperten Heiner Bielefeldt ist der Glaubenswechsel die "Nagelprobe" für das Recht auf Religionsfreiheit. Das Recht zum Glaubenswechsel sei weltweit betrachtet besonders umkämpft, sagte der Professor für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg am Montag zum Auftakt einer Online-Tagung zum Thema "Religionsfreiheit von Christen aus dem Nahen Osten" der katholischen Akademie Stuttgart-Hohenheim.

Doch authentischen Glauben gäbe es nur da, wo Zweifel geäußert, eine Religion gewechselt oder ihr der Rücken zugekehrt werden könne. Auch die Einladung zum Wechsel der Religion, also Missionstätigkeit, sei klar durch die Religionsfreiheit gedeckt - selbst wenn es sehr wohl gute Gründe gebe, sensibel mit diesem Thema umzugehen, so Bielefeldt, der von 2010 bis 2016 Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats war.

Wichtig sei, sich öffentlich für Religionsfreiheit einzusetzen. Seit 2013 existierten auf europäischer Ebene Leitlinien zur Förderung der Religionsfreiheit, die darauf abzielten, mit der Außenpolitik der EU-Staaten auch die Freiheit von Religion und Weltanschauung voranzutreiben. Diese Richtlinien müssten noch stärker umgesetzt werden, forderte der Menschenrechtsexperte. Auch kirchliche Patenschaften und Partnerschaften könnten bedrängten und verfolgten Menschen konkret helfen.

Selbst Gebete seien wichtig, weil sie dafür sorgten, dass Opfer von Verletzungen der Religionsfreiheit nicht vergessen werden. Am eindruckvollsten seien möglichst breite Bündnisse aus säkularen, zivilgesellschaftlichen Bündnissen wie Amnesty International mit religiösen Organisationen, die in ihrem Einsatz für Religionsfreiheit als einem zentralen Menschenrecht kooperieren, so Bielefeldt.

Die Tagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart unter dem Titel "Bekenntnis und Martyrium. Religionsfreiheit von Christen aus dem Nahen Osten", geht an diesem Dienstag zu Ende. Weitere Referenten sind unter anderem der Beauftragte der Bundesregierung für die weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU). Außerdem gibt es eine Diskussion mit baden-württembergischen Landtagsabgeordneten zur Religionsfreiheit. Die Tagung ist eine Kooperation der Evangelischen Landeskirche in Württemberg mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

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