Historiker Rödder kritisiert politisierte Vergabe von Fördermitteln

Historiker Rödder kritisiert politisierte Vergabe von Fördermitteln
07.03.2021
epd-Gespräch: Karsten Packeiser
epd

Mainz (epd). Sprachliche und inhaltliche Vorgaben haben nach Überzeugung des Mainzer Historikers Andreas Rödder in Deutschland inzwischen Auswirkungen darauf, zu welchen Themen noch geforscht wird. An den Hochschulen würden Machtkämpfe über die Sprache geführt, sagte der Mitbegründer des "Netzwerks Wissenschaftsfreiheit" in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bei den bekanntgewordenen Fällen einiger heftig angefeindeter Wissenschaftler und ihrer gestörten Veranstaltungen handele es sich lediglich um die Spitze des Eisbergs.

Das Zusammenspiel von Identitätspolitik und dem Konzept der "unternehmerischen Universität" habe fatale Folgen. So erlebe er mittlerweile Kollegen, die bei Anträgen für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) "panisch darauf achten, dass sie alles exakt und fehlerfrei durchgegendert haben", sagte Rödder. Antragsteller müssten sich gut überlegen, was potenzielle Gutachter lesen wollten. Bei den Entscheidern in den Gremien handele es sich um die Antragsteller von morgen: "So wird Konsens im Kreis produziert."

Grundsätzlich müsse jeder Wissenschaftler harte Kritik in der Sache aushalten können. "Aber ausgrenzende moralische Stigmatisierung ist etwas anderes", sagte der Historiker. Das geschehe beispielsweise, wenn Kritiker des Gender-Sterns als "Sexisten" und Kritiker der deutschen Flüchtlingspolitik von 2015 als "Rassisten" oder "Nazis" bezeichnet würden.

Gemeinsam mit rund 70 weiteren Forschern hatte Rödder im Februar ein "Manifest" veröffentlicht, das vor den Folgen von "Cancel Culture" für den Hochschulbetrieb warnt. Das Netzwerk erlebe seit seiner Gründung einen Ansturm von Aufnahmewilligen, deren Anträge derzeit gar nicht vollständig bearbeitet werden könnten, sagte Rödder. "Es ist schon jetzt unübersehbar, dass auch Menschen aus unterschiedlichen Richtungen von rechts und von links bei uns Aufnahme beantragen, die nicht unser Verständnis der Wissenschaftsfreiheit teilen." Die Initiative für Wissenschaftsfreiheit werde sich aber von keiner Seite "unterwandern" lassen.