Als "Pilger des Friedens" im Irak

Als "Pilger des Friedens" im Irak
Papst Franziskus besucht das Land trotz Terror und Corona-Pandemie
Als "Pilger des Friedens" ist Papst Franziskus zu einem viertägigen Besuch im Irak eingetroffen. Auch der interreligiöse Dialog und die christliche Minderheit im Land liegen ihm am Herzen.

Papst Franziskus besucht den Irak trotz Terror und steigender Corona-Infektionen. Er komme als Büßer und als "Pilger des Friedens", sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Freitag in Bagdad zum Auftakt seiner viertägigen Visite. Bei seiner ersten Auslandsreise seit Beginn der Corona-Pandemie bat Franziskus um "Vergebung für so viel Zerstörung und Grausamkeit". Im Mittelpunkt der ersten Papstreise in den Irak stehen Bemühungen um eine Befriedung der Krisenregion, um interreligiösen Dialog und eine Ermutigung der wenigen verbliebenen Christen im Land.

Jahrzehntelang habe der Irak unter den "Katastrophen der Kriege, der Geißel des Terrorismus und konfessionellen Konflikten" gelitten, beklagte der Papst. Diese gingen häufig auf einen Fundamentalismus zurück, der das friedliche Zusammenleben verschiedener ethnischer und religiöser Gruppen nicht akzeptiere. "All das hat zu Tod, Zerstörung und Trümmern geführt, die immer noch sichtbar sind."

Besonderes Augenmerk richtete der Papst auf die Jesiden, die unter der knapp dreijährigen Herrschaft der Terrororganisation "Islamischer Staat" im Norden des Irak Opfer eines Völkermords wurden. Sie seien "unschuldige Opfer sinnloser und unmenschlicher Barbarei" geworden, betonte Franziskus.

Der Papst bezeichnete das Land als Wiege der Zivilisation, die über den Patriarchen Abraham eng mit Judentum, Christentum und Islam verbunden sei. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Konflikte forderte er dazu auf, die religiöse, kulturelle und ethnische Vielfalt des Iraks als Ressource und nicht als Hindernis zu sehen. Am Samstag will Franziskus gemeinsam mit Vertretern der drei Religionsgemeinschaften und der Jesiden an einem interreligiösen Treffen in der Stadt Ur teilnehmen, wo der biblischen Überlieferung zufolge Abraham geboren ist.

Zum Auftakt seiner Reise appellierte der Papst an die irakische Regierung, Dialogbemühungen, Demokratie und rechtsstaatliche Institutionen zu stärken. Dabei müssten die Rechte aller Religionsgemeinschaften geschützt werden. Ihre Aufgabe sei es, Korruption, Machtmissbrauch und Illegalität zu bekämpfen.

Mit Blick auf irakische Flüchtlinge im In- und Ausland beklagte Franziskus, diese hätten aufgrund von Gewalt, Verfolgung und Terrorismus ihre Angehörigen und ihr Eigentum verloren. Zugleich wies er auf den täglichen Überlebenskampf der im Land verbliebenen Iraker angesichts von Armut und Arbeitslosigkeit hin. Die internationale Gemeinschaft forderte er unter Hinweis auf den Konflikt im benachbarten Syrien und den daraus resultierenden Flüchtlingsstrom nach Europa auf, Friedensbemühungen in der Region zu stärken. Unmittelbar vor seiner Abreise war Franziskus im Vatikan mit zwölf irakischen Flüchtlingen zusammengekommen.

Bei einem Treffen mit Kirchenvertretern warnte der Papst vor dem "Virus der Mutlosigkeit". In der syrisch-katholischen Kathedrale von Bagdad erinnerte er an einen Anschlag, bei dem in dem Gotteshaus vor zehn Jahren 48 Menschen ums Leben gekommen waren. "Ihr Tod erinnert uns daran, dass Anstiftung zum Krieg, Haltungen des Hasses, Gewalt und Blutvergießen mit den religiösen Lehren unvereinbar sind."

Am Samstag wird Franziskus am zweiten Tag seiner Irak-Reise in Nadschaf, einer der sieben heiligen Städte des schiitischen Islams, die höchste Autorität der irakischen Schiiten, Großayatollah Ali Al-Sistani, treffen. Schiiten stellen die Mehrheit der Iraker. Am Abend will er eine Messe in der chaldäischen Kathedrale von Bagdad feiern. Bei einem Besuch in Erbil und Mossul in der Kurdenregion steht am Sonntag ein Gebet für die Opfer des Krieges auf dem Programm. In Karakosch in der Ninive-Ebene, der einst größten christlichen Stadt des Iraks, dürfte das Kirchenoberhaupt an die Gräuel und Zerstörungen der IS-Herrschaft erinnern und die wenigen Gläubigen zum Bleiben ermutigen.

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