Katholische Bistümer gedenken der Corona-Toten

Katholische Bistümer gedenken der Corona-Toten
An die mehr als 70.000 Menschen in Deutschland, die an oder mit Corona gestorben sind, erinnerten am Wochenende die katholischen Bischöfe. Sie appellierten zugleich an die Impfbereitschaft der Menschen - als Zeichen der Nächstenliebe.

In den deutschen Bistümern ist am Wochenende in Gottesdiensten der Opfer der Corona-Pandemie gedacht worden. In Limburg erinnerte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, an die Schicksale der Gestorbenen und ihrer Angehörigen. Er erwähnte zudem den "aufopferungsvollen Dienst" von Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern. "Hinter diesen kaum begreiflichen Zahlen der Toten stehen einzelne Schicksale", sagte er am Samstagabend im Limburger Dom. "Im Gebet sind wir unseren Verstorbenen nah."

Zugleich lud der Limburger Bischof dazu ein, sich Zeit zum Abschiednehmen und Trauern zu nehmen: "Der Blick auf das Kreuz und auf Ostern, auf das Fest der Auferstehung Christi, möge Sie trösten und Kraft schenken", sagte er. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 sind in Deutschland fast 70.000 Menschen an und mit Corona gestorben, weltweit sind es mehr als 2,5 Millionen.

Die bundesweiten Gottesdienste mit den katholischen deutschen Bischöfen gehen auf eine Initiative des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) zurück. Dieser hatte dazu aufgerufen, an jedem Tag der Fastenzeit in einem europäischen Land an die Opfer der Corona-Pandemie zu erinnern. Nachdem am 17. Februar in Albanien begonnen wurde, folgte Deutschland der Initiative am Samstag. Gedenkgottesdienste fanden unter anderem in Berlin, München, Münster und Essen statt.

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx sprach sich dafür aus, die Kultur der Erinnerung zu fördern. "An jedem Tag sterben alleine in unserem Land Hunderte von Menschen an dieser neuartigen Krankheit", sagte der Kardinal am Samstagabend im Liebfrauendom. Zwar gebe es einen Impfstoff, aber eben noch kein Heilmittel für die Erkrankten. "Da dürfen wir als Christen nicht eine Kultur der Gleichgültigkeit fördern, sondern eine Kultur der Erinnerung." Die Erinnerung an die Toten empfinde er "als einen wichtigen Auftrag an uns als Kirche und für die ganze Gesellschaft".

Der Münsteraner Bischof Felix Genn und Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck appellierten an die Bürger, die Corona-Schutzimpfung als Zeichen der Nächstenliebe anzunehmen und sich impfen zu lassen. Die Zahl der Corona-Toten "übersteigt unsere Kräfte" und bringe die Menschen an ihre Grenzen, sagte Glenn. Zugleich kritisierte er Verschwörungstheoretiker, die die Pandemie und ihre tödliche Gefahr leugneten. "Hinter all diesen Zahlen stehen individuelle Menschen, Junge und Alte, die gestorben sind und da sind auch alle diejenigen, die hinter ihnen stehen, und die sich den Abschied so nicht vorgestellt haben", sagte Genn in seiner Predigt.

Overbeck mahnte weltweite Gerechtigkeit beim Zugang zu Corona-Impfstoffen an. Fast nichts bewegt die Menschen derzeit mehr als die Frage nach der Impfung gegen das Virus, sagte er am Sonntag in Essen. Doch gebe es für Menschen in vielen Ländern der Erde keine Zuteilungsgerechtigkeit. Durch seine Tätigkeit für das Hilfswerk Adveniat kenne er die Lage in Lateinamerika und der Karibik. "Dort sind es Tausende, die weiterhin darben, sterben und niemanden haben, der sich um sie kümmert, weder zu Hause noch in den Krankenhäusern, Altenheimen, Hospizen und Seniorenzentren." Sie dürften bei der Impfverteilung nicht vergessen werden.

In Berlin wurde ein Gedenkgottesdienst mit Erzbischof Heiner Koch als Livestream aus der Kirche St. Fidelis auf dem Matthiasfriedhof in Berlin-Tempelhof übertragen. Die Bundesregierung will der Corona-Toten in Deutschland mit einem ökumenischen Gottesdienst und einer staatlichen Gedenkfeier am 18. April in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin gedenken.

epd lmw/lwd/lbm/lob rks

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