Gemeinsames Abendmahl: Theologen reagieren auf Vatikan-Kritik

Öffnung der Mahlfeiern für Christinnen und Christen der anderen Konfession

©Avalon Studio/Getty Images

Aus dem Votum der ÖAK mit dem Titel "Gemeinsam am Tisch des Herrn" wird wohl erst einmal nichts, so dass mögliche Teilnahme von Protestanten an der katholischen Eucharistie und von Katholiken am evangelischen Abendmahl vorerst undenkbar ist.

Gemeinsames Abendmahl: Theologen reagieren auf Vatikan-Kritik

Tübingen/Münster (epd). Der Vatikan und führende deutsche Theologen bleiben in der Frage gemeinsamer Abendmahlsfeiern uneins. Eine wechselseitige, gastweise Öffnung der Mahlfeiern für Christinnen und Christen der anderen Konfession wolle keine Unterschiede relativieren, sondern könne in der Begegnung miteinander über die Grenzen der Konfessionen hinweg Interesse aneinander wecken und in Gespräche führen, heißt es in einer Stellungnahme des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK), die am Wochenende für die Öffentlichkeit zugänglich wurde und dem epd vorliegt. Der ÖAK reagiert damit auf ein Schreiben der vatikanischen Glaubenskongregation, die ein Votum des ÖAK zum gemeinsamen Herrenmahl deutlich theologisch kritisiert und gegenseitigen Abendmahls-Einladungen von Katholiken und Protestanten eine Absage erteilt hatte.

Der ÖAK hatte im September 2019 sein Votum mit dem Titel "Gemeinsam am Tisch des Herrn" veröffentlicht, das sich für eine mögliche Teilnahme von Protestanten an der katholischen Eucharistie und von Katholiken am evangelischen Abendmahl ausspricht, ohne dass konfessionelle Unterschiede geleugnet würden. Das Votum wurde über zehn Jahre lang vom ÖAK durch Wissenschaftler verschiedener theologischer Disziplinen erarbeitet. Das Prinzip der sogenannten eucharistischen Gastfreundschaft wird vor allem mit Blick auf den 3. Ökumenischen Kirchentag im Mai 2021 in Frankfurt am Main diskutiert.

Die vatikanische Glaubenskongregation hatte gegenüber dem Votum theologische Zweifel geäußert. Erst müsse die Einheit in Glaubensfragen erreicht werden, bevor man gemeinsam am Tisch des Herrn zusammenkomme, lautete einer der Kritikpunkte. Dies sieht der ÖAK anders: Ihm stelle sich die Frage, "ob wir angesichts der erreichten ökumenischen Übereinkünfte die Trennung am Tisch des Herrn noch verantworten können". Jesus sei gegenwärtig, wenn Christen sich in seinem Namen versammeln, auf sein Wort hören und ihm im Mahl zu seinem Gedächtnis begegnen - unabhängig von liturgischen und konfessionellen Unterschieden.

Der Ökumenischer Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen besteht seit 1946 und arbeitet unabhängig von den Kirchen, unterrichtet aber regelmäßig die katholische Deutsche Bischofskonferenz und den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über seine Beratungen. Neben einer wissenschaftlichen Leitung, die der Tübinger evangelische Kirchengeschichtsprofessor Volker Leppin und die katholische Theologin für Ökumenische Theologie und Dogmatik, Dorothea Sattler (Münster), innehaben, bilden ein katholischer und ein evangelischer kirchenleitender Vertreter den Vorstand des Arbeitskreises. Neben dem Limburger Bischof Georg Bätzing ist dies derzeit der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad.

In Abendmahl und Eucharistie erinnern Christen aller Konfessionen an den Tod Jesu am Kreuz und seine in der Bibel beschriebene Auferstehung - und damit an die zentrale Botschaft der christlichen Religion. Dass Protestanten und Katholiken nicht gemeinsam Abendmahl feiern können, ist das sichtbare Zeichen für die Kirchentrennung seit der Reformation.

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Bätzing und Jung
Die Gastgeberkirchen haben vor dem 3. Ökumenischen Kirchentag die gemeinsamen Mahlfeiern als protestantisch-katholische Annäherung gewürdigt. Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung sagte, die geplanten Mahlfeiern seien „ein wirklicher ökumenischer Fortschritt".