Vor EU-Gipfel: Kirchen kritisieren Klimaziel der Kommission

Vor EU-Gipfel: Kirchen kritisieren Klimaziel der Kommission

Mit Blick auf den EU-Gipfel Ende dieser Woche kritisieren die beiden großen Kirchen in Deutschland das von der EU-Kommission vorgeschlagene Klimaziel für 2030. Die anvisierte Senkung des Treibhausgasausstoßes gegenüber 1990 um mindestens 55 Prozent reiche nicht aus, um das Pariser Klimaabkommen einzuhalten, erklärten der katholische Prälat Karl Jüsten und der evangelische Prälat Martin Dutzmann am Dienstag gemeinsam in Berlin.

Außerdem sei das Ziel intransparent, weil es als Netto-Ziel zum Beispiel die CO2-Speicherung in Wäldern einrechne. "So werden die tatsächlich notwendigen Bemühungen um Treibhausgasminderungen geschwächt, Verantwortlichkeiten verdeckt und falsche Signale an die Wirtschaft gesendet", erklärten die Kirchenvertreter. Jüsten leitet das Kommissariat der deutschen Bischöfe, Dutzmann ist der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU.

Jüsten und Dutzmann sprachen sich stattdessen für das vom Europarlament vorgeschlagene Ziel einer Reduktion um 60 Prozent aus. Dieses ist ein Brutto-Ziel, das heißt es geht um 60 Prozent weniger Emissionen. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft solle sich beim Gipfel dafür einsetzen, dass sich die Staats- und Regierungschefs diesem Ziel anschließen, erklärten Jüsten und Dutzmann. Die Corona-Pandemie dürfe "nicht daran hindern, die zur Bewahrung der Schöpfung erforderlichen Schritte zu gehen".

Beim Gipfel am Donnerstag und Freitag wollen sich die europäischen Staats- und Regierungschefs auf ein neues Klimaziel verständigen, bevor sich am Samstag das Pariser Klimaabkommen zum fünften Mal jährt. Darin verpflichtete sich die Weltgemeinschaft auf Anstrengungen zur Begrenzung der weltweiten Erwärmung um 1,5 Grad. Bei einer Online-Konferenz der Vereinten Nationen sind die EU und die anderen Länder dann aufgerufen, höhere Klimaziele als bislang zu benennen.

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