Globaler Fonds: Corona bedroht Zugang zu lebensrettender Aids-Arznei

Globaler Fonds: Corona bedroht Zugang zu lebensrettender Aids-Arznei
28.11.2020
epd-Gespräch: Elvira Treffinger
epd

Genf (epd). Gesundheitssysteme in armen Ländern können nach Expertenangaben in der Corona-Krise ihre Arbeit nur mit starker zusätzlicher Unterstützung aufrechterhalten. Der Globale Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria habe daher unmittelbar eine Milliarde US-Dollar (837 Millionen Euro) als Soforthilfe mobilisiert, sagte Fonds-Exekutivdirektor Peter Sands dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Aber das ist nicht genug." Nötig seien weitere fünf Milliarden Dollar (4,2 Milliarden Euro).

"Rund um die Welt bedroht die Covid-19-Pandemie den Zugang zu lebensrettenden Medikamenten für Menschen, die mit HIV leben", erklärte Sands mit Blick auf den Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Gesundheitssysteme müssten gestärkt werden, damit sie nicht zusammenbrächen, das Personal brauche Schutzmaterial, und Lieferketten für Medikamente müssten gesichert werden. In vielen Aids-Zentren könnten auch Corona-Tests gemacht werden.

Lockdowns und die Einschränkung öffentlicher Verkehrsmittel machten es vielen Menschen mit HIV schwer, zur Behandlung zu kommen. In der Ukraine zum Beispiel finanziere der Globale Fonds daher Netzwerke, die Kurierdienste anbieten oder Medikamente nach Hause liefern, erläuterte der frühere Bankmanager Sands, der unter anderem für die Weltbank tätig war und seit 2018 an der Spitze des Globalen Fonds steht.

In Malawi tragen nach seinen Worten Mittel aus dem Fonds dazu bei, HIV-positive junge Mädchen und Frauen ohne Unterbrechung zu behandeln. Dazu gehöre das Beschaffen von Medikamentenvorräten für mehrere Monate, von Schutzmaterial für Personal, das in entlegene Gebiete reist, sowie von Verhütungsmitteln und Informationen zu sexueller Gewalt.

Im Sudan erwiesen sich die Covid-19-Beschränkungen ebenfalls als Bedrohung für Aids- und Tuberkulosepatienten. Benzinknappheit, Inflation und Reiseverbote hätten Transporte drastisch teurer und unzuverlässig gemacht, berichtete Sands. Lastwagen des Welternährungsprogramms hätten dann 17 Container mit medizinischem Material für fünf Monate in die Gebiete gefahren, wo die Not am größten sei.

Der Globale Fonds mit Sitz in Genf bekommt seine Mittel vor allem von Regierungen und finanziert damit Projekte zur Bekämpfung Aids, Tuberkulose und Malaria in armen Ländern. Im Oktober sagte die Staatengemeinschaft dem Fonds 14 Milliarden Dollar (11,7 Milliarden Euro) für die drei Jahre von 2020 bis 2022 zu. Deutschland ist mit über einer Milliarde viertgrößter Geber.