Bedford-Strohm: Europa muss in Corona-Krise an die Schwächsten denken

Bedford-Strohm: Europa muss in Corona-Krise an die Schwächsten denken

Europa darf während der Corona-Pandemie nach Einschätzung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nicht die Schwächsten aus den Augen verlieren. Die Pandemie führe "uns allen unsere Verletzlichkeit vor Augen", sagte der Ratsvorsitzende beim ersten Treffen europäischer Religionsführer mit der neuen EU-Kommission am Freitag. Im Videogespräch mit EU-Kommissionsvizepräsident Margaritis Schinas betonte Bedford-Strohm, wir müssten anerkennen, dass wir mit unseren materiellen und technischen Ressourcen nicht alle Probleme lösen können.

Im Mittelpunkt des Gesprächs mit christlichen, jüdischen und muslimischen Religionsvertretern standen neben der Pandemie auch der islamistische Terror und die Migrationspolitik. Der griechische Kommissar ist für den Dialog mit den Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zuständig.

Der christliche Glaube habe die Kraft, die lähmende Angst in der Corona-Krise zu überwinden, sagte Bedford-Strohm. In dieser Zeit sozialer Spannungen und gesellschaftlicher Spannungen sehe er die Aufgabe der Kirche, für den Zusammenhalt in der Gesellschaft einzustehen.

Der Ratsvorsitzende betonte, solche feigen Anschläge wie die islamistischen Terrorattacken der jüngeren Vergangenheit seien durch keine Religion zu rechtfertigen. "Terror ist Gotteslästerung." Die EKD unterstütze ihre muslimischen Gesprächspartner bei ihren Bemühungen, einen friedlichen Islam zu fördern.

Ferner begrüßte Bedford-Strohm die Bemühungen der EU-Kommission, mit ihrem Vorschlag für ein neues Migrations- und Asylpaket neuen Schwung in die festgefahrene Debatte der EU-Mitgliedsstaaten um eine gemeinsame Asyl- und Migrationspolitik zu bringen. Allerdings kritisierte er eine Tendenz, einseitig die Abwehr von Flüchtlingen zu betonen. Alle Asylsuchenden hätten einen Anspruch auf individuelle Prüfung ihrer Asylberechtigung.

Zu begrüßen sei der Fokus der EU-Kommission, beim Thema Seenotrettung künftig eine stärkere Koordination unter den Mitgliedsstaaten zu erreichen und der Kriminalisierung von privaten Rettungsorganisation Einhalt zu gebieten. Dennoch seien einige zivile Schiffe willkürlich festgesetzt worden, wie die von der EKD mitfinanzierte "Sea-Watch 4". "Nutzen Sie den politischen Einfluss der EU-Kommission auf die Mitgliedsstaaten, diese Schiffe freizugeben", appellierte Bedford-Strohm an den Vizepräsidenten.

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