Genitalverstümmelung: Immer mehr Frauen in Deutschland betroffen

Genitalverstümmelung: Immer mehr Frauen in Deutschland betroffen

Berlin (epd). Der Deutsche Caritasverband fordert einen besseren Schutz und mehr Hilfen für Mädchen und Frauen, die von Genitalverstümmelung betroffen oder bedroht sind. Die Frauen litten ihr ganzes Leben unter den körperlichen und psychischen Folgen dieses Eingriffs, erklärte der Verband am Mittwoch in Berlin. Die Caritas äußerte sich gemeinsam mit dem katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit IN VIA und dem Sozialdienst katholischer Frauen anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November.

"Bei Genitalverstümmelung handelt es sich um eine schwere Menschenrechtsverletzung", sagte Eva Maria Welskop-Deffaa, Vorständin der Caritas. "Das ist nicht nur in den Herkunftsländern ein Tabu, sondern auch in Deutschland." Zunehmend seien hierzulande medizinische und sozialpädagogische Fachkräfte mit den Nöten betroffener Frauen konfrontiert. "Um den Frauen fachgerecht und sensibel helfen zu können, brauchen sie Qualifizierung und Unterstützung", erklärte Welskop-Deffaa.

Um gefährdete Mädchen zu schützen, sollten nach Ansicht der katholischen Verbände in Schulen und Angeboten der Jugend- und Familienhilfe eine Auseinandersetzung mit dem Thema gefördert und Beratungsangebote ausgebaut werden. "Über Hebammen, Gynäkologinnen und Kinderärzte werden nahezu alle Schwangeren und jungen Familien - auch Familien mit Migrations- oder Fluchtgeschichte - erreicht", hieß es. Alle in diesem Feld Tätigen müssten über weibliche Genitalverstümmelung Bescheid wissen.

Darüber hinaus forderten die Verbände, Genitalverstümmelung als geschlechtsspezifischen Asylgrund anzuerkennen. Zu oft würden Frauen, die in Anhörungen zu Asylverfahren von Genitalverstümmelung berichten, vorschnell als unglaubhaft bewertet.

Weltweit sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 200 Millionen Frauen betroffen. Durchgeführt wird Genitalverstümmelung überwiegend in einigen Regionen Afrikas, aber auch in einigen Ländern des Nahen Ostens und Asiens. Mit der Einwanderung von Frauen aus diesen Ländern steigen die Zahlen in Deutschland. Nach einer Erhebung der Bundesregierung wird von bis zu 67.000 betroffenen Frauen und Mädchen und bis zu 14.000 gefährdeten Mädchen ausgegangen.

Folgen von Genitalverstümmelung für Frauen sind Einschränkungen im Alltag, Schmerzen beim Leben ihrer Sexualität und Schwierigkeiten bei Schwangerschaft und Geburt. Hinzu kommen psychische Beeinträchtigungen oder Depressionen aufgrund der erlittenen Traumata. Jedes zehnte Mädchen überlebt den Eingriff nicht. Rund ein Viertel der Frauen stirbt an den Langzeitfolgen.

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