Altbundespräsident Wulff: Papst Franziskus ist "eine große Chance"

Altbundespräsident Wulff: Papst Franziskus ist "eine große Chance"

Altbundespräsident Christian Wulff wirbt um Unterstützung für Papst Franziskus. Dessen Enzykliken "Laudato si" und "Fratelli tutti" hätten das "Potenzial für eine werteorientierte weltweite christlich inspirierte große Jugendbewegung zum Klimaschutz und zum respektvollen Zusammenleben - überall", sagte Wulff in einem Interview der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt". Franziskus sei eine große Chance als erster Nichteuropäer der Neuzeit, erster Südamerikaner und erster Jesuit als Papst.

Wulff war von 2010 bis 2012 der zehnte Präsident der Bundesrepublik Deutschland und von 2003 bis 2010 Ministerpräsident des Landes Niedersachsen. Er war Mitte Oktober von Papst Franziskus in Audienz empfangen worden.

Zum Thema Umgang mit Missbrauchsfällen sagte Wulff, die katholische Kirche müsse aufklären, "auch wenn es wehtut". Es gehe um Glaubwürdigkeit und Vertrauen "und Gottvertrauen darin, dass auch wir schlichten Katholiken das bewerten wollen", fügte Wulff hinzu: "Man darf uns nicht für dumm verkaufen. Es ist Menschen so viel Leid zugefügt worden, dass es unerträglich ist, die Aufarbeitung noch weiter zeitlich zu verzögern", sagte Wulff konkret zu den aktuellen Vorgängen im Erzbistum Köln. Dort müsse der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, "alles offenlegen lassen". In Köln sorgt die Verzögerung der Veröffentlichung einer Missbrauchs-Studie für Kritik.

Der 61-jährige Wulff forderte eine Öffnung der katholischen Kirche für Frauen: "Frauen sollen auch auf die Kanzel dürfen. Ich möchte ihren Blick auf die Bibel erfahren. Kirche steht mitten im Leben. Nah bei den Menschen. Meine Kinder sollen Gleichberechtigung erleben." Er wünsche sich zudem eine Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, "das wäre schon ein tolles Signal". Auf die Frage, ob es aus seiner Sicht einmal eine Päpstin geben könnte, sagte Wulff: "Ich würde es begrüßen."

Er habe den Papst bei seiner Audienz in Rom zudem gebeten, dem Synodalen Weg von Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zu vertrauen, sagte Wulff weiter: "Und nicht auf jene zu hören, die Misstrauen säen." Franziskus könne sich auf die katholische Kirche in Deutschland verlassen. "Aber wir erleben die Erosion der katholischen Kirche von innen her. Von denen, die die Gemeinden tragen. Die leiden. Ich auch. Ich leide innen. Und wir erleben die Erosion an den Rändern durch Austritte von 25- bis 30-Jährigen. Die wünschen sich mehr Aufgeschlossenheit, mehr Mut, mehr Debatte. Und viele wenden sich ab."

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