Seelsorger sieht Schausteller in "wirklich existenziellen Sorgen"

Seelsorger sieht Schausteller in "wirklich existenziellen Sorgen"
21.09.2020
epd-Gespräch: Dieter Sell
epd

Nach monatelangen Corona-Beschränkungen und Volksfest-Absagen leiden viele Karussell-Betreiber und Buden-Besitzer nach Beobachtungen des evangelischen Circus- und Schaustellerseelsorgers Frank Uhlhorn unter "wirklich existenziellen Sorgen". Sie bewegten sich zwischen Hoffen und Bangen und setzten auf Ersatzveranstaltungen, sagte der 54-jährige Osnabrücker Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch Weihnachtsmärkte bedeuteten "ein Licht am Ende des Tunnels".

"Grundsätzlich leiden alle Schaustellerinnen und Schausteller an der Situation", betonte Uhlhorn. Aber es gebe Unterschiede: "Wichtig ist die Sicht auf die Zukunft - und die ist manchmal ganz optimistisch, nach dem Motto 'das kriegen wir schon hin', manchmal aber auch recht pessimistisch."

Wenn aber die Weihnachtsmarkt-Saison ins Wasser fallen würde, müssten einige sicher aufgeben. Um sich über Wasser zu halten, fahren Uhlhorn zufolge viele Schausteller derzeit auf temporäre Veranstaltungen, zum Beispiel bei Baumärkten. "Das sei aber ein Tropfen auf den heißen Stein und nicht dasselbe wie ein richtiger Rummel, höre ich immer wieder", sagte Uhlhorn.

In seinen Gesprächen hat der Beauftragte der hannoverschen Landeskirche beobachtet, dass viele Schausteller durch die Einschränkungen aber nicht nur wirtschaftlich am Ende sind. Das Zuhause-Sein und nichts zu tun zu haben, gehe ihnen seelisch an die Substanz. "Für sie ist ihr Beruf eine Berufung. Sie sagen: Wir haben Freude, wenn andere Menschen fröhlich sind und sich auf dem Rummel amüsieren können."

Volksfeste seien aber auch für das Publikum wichtig, führte Uhlhorn aus. "Für mich ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie Menschen wenigstens für den Augenblick ihre Sorgen vergessen, wie viel Freude damit verbunden ist, wenn sich die Karussells drehen."

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