Seelsorger erreichten in Corona-Krise mehr kirchenferne Menschen

Virtuelle sprechblasen im Himmel

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Seelsorge geht immer noch am besten im direkten Gespräch, aber neue Gottesdienstformen während der Corona Pandemie erreichen vor allem kirchenferne Menschen.

Seelsorger erreichten in Corona-Krise mehr kirchenferne Menschen
Gestreamte Gottesdienste, digitale Seelsorge und Gebetsimpulse - die Liste der kirchlichen Angebote während der Corona-Krise ist lang. Die Angebote haben vor allem jüngere, kirchenferne Menschen erreicht, ist das Ergebnis einer nicht-repräsentativen Befragung von Pfarrer:innen.

Begegnungen und der persönliche Austausch mit Menschen lassen sich einer Online-Befragung von Pfarrern zufolge durch nichts ersetzen. Die Umfrage zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie habe zudem ergeben, dass zwar digital viel Neues entstanden sei, aber "Seelsorge geht analog besser", sagte der Stellvertretende Leiter der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), Oliver Foltin, am Donnerstag in Heidelberg dem Evangelischen Pressedienst (epd). 

Ein überraschendes Ergebnis der nicht repräsentativen Online-Umfrage unter Mannheimer Seelsorger:innen sei es, dass in der Krise mehr kirchenferne Menschen und die Gruppe der 30- bis 40-Jährigen besser erreicht wurden, sagte Foltin. Insgesamt sei die Nachfrage nach Seelsorge gestiegen. Pfarrer:innen hätten mehr seelsorgerliche Gespräche geführt durch Telefonate, Mailkontakte und spontane Kontakte im Freien. Zum Teil seien neue Rituale geschaffen worden, etwa ein "Segen to go" oder neue Gottesdienstformen im Freien.

Senioren schlechter erreichbar 

Allerdings seien gerade treue Kirchgänger und ältere sowie kranke Menschen weniger gut erreicht worden. Da viele Menschen abgetaucht und vereinsamt seien, sei vor allem eine "aufsuchende Seelsorge" verstärkt nötig, sagte der Wissenschaftler. Gerade ältere Menschen seien nicht in der Lage, virtuelle Ersatzangebote zu nutzen. Wichtig sei die Sichtbarkeit von Pfarrerinnen und Pfarrern. 

Der Vorwurf, dass sich die Kirche in der Krise zu sehr zurückgezogen habe, sei nicht abgefragt worden, sagte Foltin. Dies sei von einem Befragten aber so thematisiert worden: "Dass die Kirche auf Not und Gefahr eigentlich mit Gemeinschaft und Stärkung der Versammlung der Gläubigen reagiert, hat zu einem Grundkonflikt geführt, der schwer aufzulösen war", heißt es in der FEST-Studie von Hans Diefenbacher, Oliver Foltin und Lise Stadtherr.