Theologe Körtner: Gott im EKD-Zukunftspapier nur noch ein Symbol

Theologe Körtner: Gott im EKD-Zukunftspapier nur noch ein Symbol

Der Wiener Theologe Ulrich Körtner vermisst im kürzlich veröffentlichten Zukunftspapier der evangelischen Kirche ein klares christliches Profil. Die Glaubenskrise, die in dem Text diagnostiziert werde, habe "offenkundig auch die Ebene der Kirchenleitungen erfasst", heißt es in einem Beitrag des Professors für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien in der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt".

In dem Papier komme Gott nur noch als "Chiffre" für ein ethisch-humanitäres Programm vor, "das sich auch ganz säkular vertreten lässt", so der Sozialethiker: "Von Gottes lebendigem Wirken in der Welt und in der Kirche ist praktisch nicht die Rede." Gleichzeitig werde das traditionelle Gemeinde- und Gottesdienstleben "im Geiste moderner Unternehmensberatung einer Kosten-Nutzen-Rechnung unterzogen."

Wenn es in dem EKD-Papier heiße, die Kirche der Zukunft müsse missionarisch sein, so sei doch "nicht an Verkündigung und Seelsorge, sondern in erster Linie an ein sozialpolitisches Handeln gedacht", schrieb Körtner: "Kein Wort hingegen von Tod und Auferstehung Jesu, seiner Heilsbedeutung für den Einzelnen wie die Welt im Ganzen." Doch Kirche als "religiös angehauchte, aber ganz diesseitsorientierte soziale Bewegung" schaffe sich ab, fügt er hinzu.

Unter dem Motto "Kirche auf gutem Grund" hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) elf Leitsätze veröffentlicht, die Basis der Diskussion und Entscheidungsfindung für die Weiterentwicklung der evangelischen Kirche sein sollen. Die Leitsätze sind das Ergebnis der Arbeit des sogenannten Z-Teams. Es wurde 2017 von der EKD-Synode berufen. Der Arbeitsgruppe gehören jeweils vier Menschen aus den drei Leitungsgremien der EKD und zusätzlich drei junge Erwachsene aus dem Umfeld der Synode an. In den nächsten Monaten soll das Papier intensiv diskutiert und weiterentwickelt werden.

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