Misereor warnt vor Corona-Folgen im globalen Süden

Misereor warnt vor Corona-Folgen im globalen Süden
Die Corona-Krise als "katastrophaler Brandbeschleuniger": Nach Darstellung des katholischen Hilfswerks Misereor erschwert die Pandemie den globalen Kampf gegen Hunger und Armut.

Die katholische Entwicklungsorganisation Misereor warnt vor den politischen und sozialen Folgen der Corona-Pandemie in den Ländern des globalen Südens und vor der Rückkehr einer Hunger-Krise. "Aktuell beobachten wir auf den Südkontinenten Entwicklungen, die schmerzen", sagte Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2019. Misereor hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 232,3 Millionen Euro in Projekte der Entwicklungszusammenarbeit in 85 Ländern investiert. Darunter sind der Tschad, die Philippinen, Brasilien und Haiti.

So wirke Corona in Südamerika wie ein "katastrophaler Brandbeschleuniger", sagte Spiegel. Die politischen Spannungen in Ländern wie Brasilien oder Chile nähmen zu. Menschenrechtsverletzungen wie die Vertreibung indigener Völker wüchsen im Windschatten der Pandemie, die Menschen hätten keine Arbeit, "der Hunger kommt wieder".

"Auch in Asien ist die wichtigste Botschaft, dass Menschen eher verhungern als am Virus sterben", sagte Spiegel weiter. Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten träten dort durch die Corona-Krise deutlicher zutage. Gleichzeitig werde die Pandemie zur weiteren Beschränkung zivilgesellschaftlichen Engagements missbraucht. Menschenrechtsaktivisten würden verfolgt, Grundfreiheiten eingeschränkt und oppositionelle Aktivitäten unterdrückt.

In den Ländern Afrikas seien wiederum die Folgen des Lockdowns gravierender als die des Virus selbst, sagte Spiegel. Covid-19 habe zu einem Einbruch des informellen Wirtschaftssektors geführt, Lieferketten seien gerissen, Tagelöhner hätten keine Arbeit mehr, auf den Straßen nehme die Zahl der Bettler zu.

"Die Verheerungen der Pandemie in den Entwicklungsländern sind enorm", warnte auch der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Dirk Messner. Die bis 2030 gesteckten Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals/SDG) seien durch Corona in "weite Ferne gerückt", sagte der Nachhaltigkeitsforscher, der Mitglied im Misereor-Beirat ist.

Die Corona-Krise trifft nach Messners Einschätzung die Entwicklungsländer deutlich stärker als die globale Finanzkrise von 2008/2009. Die Gesundheitssysteme in den Ländern seien schwach, es gebe kaum soziale Sicherheitssysteme und eine starke Kapitalflucht. Dazu komme die mangelnde Solidarität der Industrieländer und einen starken Trend zur Rückkehr von Nationalismus. "Die Welt driftet gerade auseinander", sagte Messner. Während hierzulande die Corona-Krise als Chance für eine künftige nachhaltigere, "grüne" Ökonomie gesehen werde, gehe es in den Ländern des globalen Südens "ums Überleben".

Der Vorsitzende der Katholischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe, Prälat Karl Jüsten, appellierte an die deutsche Politik, Entwicklungsprobleme als globale Phänomene zu sehen und entsprechend zu handeln. Eine erste Gelegenheit biete dazu das geplante Lieferkettengesetz, das Unternehmen zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards verpflichten soll. Auch deutsche Unternehmen trügen vor Ort leider immer wieder zur Verseuchung von Flüssen und Trinkwasser, zu ausbeuterischen Arbeitsbedingungen oder zu Landvertreibungen bei.

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