Kirche will Fall von sexuellem Missbrauch publik machen

Kirche will Fall von sexuellem Missbrauch publik machen

Ein evangelischer Pastor aus dem Kirchenkreis Hittfeld bei Hamburg hat nach Kirchenangaben über viele Jahre eine sexuelle Beziehung zu einer früheren Konfirmandin unterhalten. Der schwere sexuelle Missbrauch in einer Kirchengemeinde habe sich in den 80er und 90er Jahren ereignet, sagte der Sprecher der hannoverschen Landeskirche, Benjamin Simon-Hinkelmann, am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Jetzt wolle die Frau gemeinsam mit der Kirche die Geschichte öffentlich machen.

Bei einer Pressekonferenz am Montag solle es auch um die innerkirchliche Aufarbeitung von Missbrauchsfällen gehen. Die Frau habe von der Landeskirche eine Anerkennungssumme von 35.000 Euro erhalten, sagte der Kirchensprecher. Das sei die höchste Summe, die die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers bisher bei Missbrauchsfällen gezahlt habe. "So umfassend hat es bisher noch keine Aufarbeitung gegeben." Der Pastor sei bereits gestorben.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will ab Oktober in mehreren Studien sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen aufarbeiten. Die 20 Landeskirchen hatten der Beauftragung eines unabhängigen Forschungsverbundes erst kürzlich zugestimmt.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hatte am Donnerstag beklagt, er sehe bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche einen Nachholbedarf. "Die evangelische Kirche hat vielleicht eine Zeit lang gedacht, dass sie auf einheitliche Standards und Kriterien bei der Aufarbeitung verzichten kann", sagte er im Deutschlandfunk.

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