Kirchen äußern Kritik an Annexionspläne Israels

Kirchen äußern Kritik an Annexionspläne Israels
Anfang Juli will die israelische Regierung Teile der palästinensischen Gebiete im Westjordanland annektieren. Evangelische und katholische Kirchenvertreter sorgen sich um den Frieden in Nahost.

Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland sorgen sich um den Frieden in Israel und Palästina. Die stellvertretende Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, kritisierte die Pläne der israelischen Regierung zur Annexion palästinensischer Gebiete scharf. Eine solche Annexion sei ein Verstoß gegen das Völkerrecht, erklärte Kurschus am Freitag in Bielefeld unter Hinweis auf die Position der Evangelischen Mittelost-Kommission der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die katholische Deutsche Bischofskonferenz sorgt sich um die Situation der Christen in Israel und Palästina. Die israelische Regierung hatte Anfang Juni angekündigt, Gebiete im Westjordanland zu annektieren.

Bischof Ludwig Schick (Bamberg) und Weihbischof Udo Bentz (Mainz) warnten davor, dass die arabischen Christen in der Region einmal mehr zwischen die Fronten geraten. "Sie werden in einer Konfrontation, die auch mehr und mehr religiös aufgeladen wird, kaum noch die Chance haben, vermittelnde Positionen zur Geltung zu bringen", erklärten beide laut einer Mitteilung der Bischofskonferenz am Freitag. Schick ist Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Bentz Vorsitzende der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten.

Die Ankündigungen der israelischen Regierung würden den "radikalen Positionen in Israel und Palästina zuarbeiten" und die Gewalt neu aufflammen lassen, warnte Kurschus in einem Brief an den Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, Sani Ibrahim Azar. Ein solches Vorhaben gefährdet nach ihren Worten den Frieden, den Wohlstand und die Entwicklung der Gesellschaften im Nahen Osten.

Die Chancen auf eine Zweistaatenlösung würden durch das einseitige Vorgehen weiterhin minimiert, beklagte die westfälische Präses. "Besorgt nehmen wir wahr, dass das Ziel eines gerechten Friedens noch lange nicht greifbar ist", schreibt sie. Sie sicherte zu, "unseren Einfluss in Politik und Gesellschaft zur Geltung zu bringen". Auch Erzbischof Schick sieht die Zweistaatenlösung gefährdet. Er teile die große Sorge vor einer weiteren Destabilisierung der Region. Die Gefahr, dass eine Zweistaatenlösung außer Sicht gerate, wachse damit erheblich, erklärte er.

Schick und Bentz bekundeten ihre Solidarität mit den Patriarchen und Kirchenführern Jerusalems. In einem Aufruf vom 7. Mai 2020 hatten diese die Vereinten Nationen, Russland, die Europäische Union und die USA aufgefordert, auf die einseitigen Annexionspläne mit einer gemeinsamen, verbindlich terminierten Friedensinitiative im Einklang mit dem Völkerrecht zu reagieren. Bentz appellierte an die Bundesregierung, sich weiterhin mit allem Nachdruck für eine Einhaltung völkerrechtlich verbindlicher Abkommen sowie der entsprechenden UN-Resolutionen einzusetzen.

Erzbischof Schick betonte, in den Kirchen des Heiligen Landes breite sich große Anspannung und Unsicherheit aus. Viele Bischöfe aus der Region setzten ihre Hoffnung auf die Staats- und Regierungschefs der EU. Von ihnen werde erwartet, alle politischen Möglichkeiten zu nutzen, um die Regierung Israels von Annexionsplänen abzubringen.

epd lwd/hei jup