Welterbestätten: Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen

Welterbestätten: Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen
04.06.2020
epd-Gespräch: Jörg Nielsen
epd

Bonn (epd). Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, hat zum Welterbetag am 7. Juni auf die grenzübergreifende Bedeutung der Welterbestätten hingewiesen. "Es sind Stätten, an denen die Menschheitsgeschichte lebendig wird", sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Es sind Orte, die zeigen, was wir aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen können." Von den mehr als 1.000 Welterbestätten weltweit liegen 46 in Deutschland. Wegen der Corona-Pandemie findet der Welterbetag erstmals vornehmlich digital statt.

In Zeiten, in denen die Tendenz hin zu mehr Nationalstaatlichkeit gehe, sei die Betonung von Gemeinsamkeiten und Solidarität wichtiger denn je, sagte Böhmer. Die drängendsten Probleme unserer Zeit seien global: "Die Welterbestätten bieten eine Wissensressource, aus der wir lernen können: für heute und für unsere gemeinsame Zukunft." Mit Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage komme dem völkerverbindenden und friedenstiftenden Welterbegedanken eine besondere Bedeutung zu. "Die Welterbestätten können ganz wunderbare Orte des interkulturellen Austausches und Treiber nachhaltiger Entwicklung sein", betonte die Präsidentin.

Auch für die Welterbestätten sei die Corona-Pandemie eine enorme Herausforderung. Die meisten von ihnen hätten weltweit mit dramatischen Einbrüchen der Besucherzahlen zu kämpfen. Doch in der Krise steckten auch Chancen, sagte Böhmer. So könne der Zugang zu Welterbestätten dank der Entwicklung neuer digitaler Angebote barriereärmer erfolgen. Insbesondere in Zeiten, in denen Abstandsregeln und Einschränkungen des Bewegungsradius unseren Alltag prägten, seien "Reisen im Kopf" wichtiger denn je.

Böhmer mahnte eine internationale Zusammenarbeit zum Schutz des Welterbes an. "Wir sehen, was passieren kann, wenn schützenswerte Orte zu Tourismusmagneten werden und durch exzessive Nutzung Schaden nehmen", sagte sie. "Wir alle müssen mit dem, was uns wichtig ist, nachhaltig umgehen, sonst gefährden wir seine Existenz." Sie nehme eine bedenkliche Verschiebung vom globalen Miteinander hin zu nationalen Alleininteressen wahr, erklärte die Präsidentin - und gab zu bedenken, dass heutige Herausforderungen oft nur gemeinsam zu bewältigen seien: "Können wir als Einzelstaaten künftig Probleme wie Pandemien und Klimawandel lösen? Ich glaube nein."