WWF: Mehr Waldzerstörung in Tropen während Corona-Pandemie

WWF: Mehr Waldzerstörung in Tropen während Corona-Pandemie

Der Waldverlust in den Tropen ist laut der Naturschutzorganisationen WWF während der globalen Corona-Pandemie massiv angestiegen. Die Waldzerstörung in 18 untersuchten Ländern sei im März 2020 im Vergleich zu den Vorjahren um durchschnittlich 150 Prozent angestiegen, erklärte der WWF Deutschland am Donnerstag in Berlin unter Berufung auf eine eigene Studie. Insgesamt seien damit allein im März dieses Jahres rund 645.000 Hektar Tropenwälder verschwunden, was etwa der siebenfachen Fläche Berlins entspricht. Es gebe eindeutige Indizien dafür, dass Entwaldung und Pandemie miteinander zusammenhängen.

"Alles weist darauf hin, dass wir es bei der explodierenden Waldzerstörung mit einem Corona-Effekt zu tun haben", sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland: "In vielen Ländern hat sich der Staat während des Lockdowns aus dem Waldschutz zurückgezogen, was illegale Holzeinschläge und die Plünderung anderer Ressourcen begünstigt."

Auch indigene Territorien und Naturschutzgebiete würden vielerorts schlechter gesichert und fielen Kriminellen leichter zum Opfer, so Heinrich. Polizei, Ranger und andere staatliche Kontrolleure seien deutlich weniger präsent und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen säßen meist im Home-Office fest.

Kriminelle Energie und Profitstreben sind laut WWF jedoch nicht der alleinige Treiber der Umweltzerstörung in Corona-Zeiten. Vielerorts hätten wegbrechende Einkommen die Menschen in eine schwierige Lage gebracht. In mehreren afrikanischen Ländern sei der legale Holzhandel und die Verarbeitung des Holzes zum Erliegen gekommen. Ein großer Anteil der Holzprodukte des Kongobeckens werde nach China und Vietnam exportiert. Durch die Schließung der Häfen sei dieser Handelsweg unterbrochen worden. Die Wälder verlören dadurch schlagartig ihren Wert und das Risiko einer Umwandlung des Waldes steige an.

Zum Schutz der Wälder der Welt fordert der WWF eine Unterstützung der Entwicklungs- und Schwellenländer. Technische und finanzielle Hilfe könnte dazu beitragen, die illegale Entwaldung einzudämmen. Dazu gehöre nicht nur die bessere Durchsetzung von Gesetzen, sondern auch die Schaffung alternativer Einkommensquellen und die Abmilderung sozialer Probleme durch Folgen der Corona-Pandemie, hieß es. Der mächtigste Hebel seien jedoch die internationalen Handelsbeziehungen. Hier brauche es dringend bessere und verbindliche Sozial- und Umweltstandards, insbesondere zu entwaldungsfreien Lieferketten.

epd cez

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