Kinderrechtsexpertin: Drohnenangriffe führen zu mehr zivilen Opfern

Kinderrechtsexpertin: Drohnenangriffe führen zu mehr zivilen Opfern
11.05.2020
epd-Gespräch
epd

Durch den Einsatz von bewaffneten Drohnen im Jemen-Krieg steigt nach Einschätzung der Kinderrechtsorganisation "Save the Children" die Zahl unbeteiligter Opfer. Susanna Krüger, Geschäftsführerin der Organisation in Deutschland, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Die Distanz zwischen den handelnden Soldaten und dem Kriegsschauplatz wird höher, das führt zu einer größeren Ungenauigkeit und zu mehr zivilen Opfern." Zudem wirkten die unbemannten Flugkörper auf Menschen unheimlich, weil sie wie aus dem Nichts kämen. Inzwischen würden Drohnen im Jemen von allen Akteuren eingesetzt.

Krüger äußerte sich vor einer Online-Podiumsdiskussion des Verteidigungsministerium am Montagnachmittag zum Auftakt einer offenen Debatte über eine mögliche Bewaffnung der von der Bundeswehr eingesetzten Drohnen. "Was der Einsatz solcher Kriegsgeräte für Kinder bedeutet, geht in der sicherheitspolitischen Diskussion oft unter", sagte sie. Die Bundesregierung müsse daher in Gebieten, wo bewaffnete Drohnen bereits zum Einsatz kämen, ganz genau hinschauen.

"Save the Children" ist seit 1963 im Jemen im Einsatz. Jüngst hat die Organisation die Auswirkungen des blutigen Konflikts auf die psychische Gesundheit von Kindern untersucht. Der Studie zufolge fühlt sich mehr als die Hälfte der jemenitischen Kinder nach fünf Jahren Krieg traurig und depressiv, fast ein Fünftel leidet außerdem unter ständiger Angst. Kinder spielten nicht mehr im Freien, nässten sich ein, wenn sie Flugzeuge über sich hörten. Ein 14-Jähriger sagte: "Als wir jünger waren, bevor die Luftangriffe begannen, kamen alle Kinder aus dem Haus, wenn wir ein Flugzeug sahen, und sangen: 'Flugzeug flieg, fliegendes Flugzeug', aber jetzt haben wir große Angst vor ihnen."

Im Jemen herrscht laut den Vereinten Nationen die schlimmste humanitäre Krise weltweit. Rund 80 Prozent der schätzungsweise 28 Millionen Jemeniten brauchen humanitäre Hilfe und Schutz, das Gesundheitssystem ist weitgehend zerstört. Zudem bedroht die Corona-Pandemie das Land.

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