EKD will Missbrauchsstudien ab Oktober beginnen

EKD will Missbrauchsstudien ab Oktober beginnen
09.05.2020
epd-Gespräch: Franziska Hein (epd)
epd

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will ab Oktober mit übergreifenden Studien zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche beginnen. Man sei gerade in Verhandlungen mit einem Forscherverbund, die bis zum Sommer abgeschlossen sein sollen, sagte die Sprecherin des Beauftragtenrats der EKD, Kirsten Fehrs, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Nach den Plänen des Forschungsverbunds soll es vier oder fünf Studien zu einzelnen Aspekten geben, etwa zu Täterstrukturen oder zu den Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs auf die Biografie der Betroffenen. Außerdem soll es eine Metastudie geben, die sowohl bereits vorliegende Einzelstudien von Landeskirchen als auch die Teilstudien zusammenführt. Ziel der Studien ist eine institutionelle Aufarbeitung des Missbrauchs Schutzbefohlener. Sie sollen erhellen, durch welche Strukturen speziell im evangelischen Kontext Missbrauch begünstigt wird und in welchen Bereichen Risiken entstehen, etwa in der Kinder- und Jugendarbeit, bei den Pfadfindern und auf Jugendfreizeiten.

Binnen drei Jahren von Oktober an sollen die Studien abgeschlossen sein, sagte Fehrs, sofern man das heute planen könne. Denn das sei in wissenschaftlichen Zeithorizonten äußerst knapp bemessen. "Wir setzen immer die Gründlichkeit vor die Schnelligkeit", sagte die Hamburger Bischöfin.

Die Studien sehen eine durchgängige Beteiligung Betroffener vor. Zwischenergebnisse sollen regelmäßig auch mit Betroffenen diskutiert werden, sagte Fehrs. Wenn es etwa um die Auswirkung des Missbrauchs auf die Biografie von Betroffenen gehe, sei das unerlässlich.

Fehrs teilte zudem mit, dass sich die Einrichtung eines EKD-weiten Betroffenenbeirates, der die Arbeit des Beauftragtenrats begleitet, verzögert. Ursprünglich war geplant gewesen, dass der Betroffenenbeirat, der aus zwölf Mitgliedern bestehen soll, seine Arbeit im Mai aufnimmt. Doch zum Ende der Bewerbungsfrist Ende Januar hätten noch nicht genügend Bewerbungen vorgelegen, die Frist sei daher auf Ende März verlängert worden.

Mittlerweile lägen genügend Bewerbungen vor, doch die Auswahl verzögere sich, weil wegen der Kontaktbeschränkungen durch die Corona-Pandemie keine Auswahlgespräche stattfinden könnten. "Ein solch sensibles Thema sollte man nicht in einem Videocall klären. Diese Gespräche soweit irgend möglich müssen persönlich geführt werden", sagte Fehrs. Ziel ist, dass die Mitglieder des Betroffenenbeirats bis Ende Juli feststehen.

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