Spahn: Maßnahmen zur Virus-Eindämmung zeigen Wirkung

Spahn: Maßnahmen zur Virus-Eindämmung zeigen Wirkung
Giffey warnt vor Zwei-Klassen-Gesellschaft
Spahn und Giffey appellieren kurz vor Ostern an die Bevölkerung, sich weiter an die Abstandsregeln zur Eindämmung des Coronavirus zu halten. Es gebe erste Erfolge, doch sie seien gefährdet, wenn eine Lockerung zu früh komme, warnen sie.

Kurz vor Ostern hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erste Erfolge der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus konstatiert und gleichzeitig zur weiteren Einhaltung der Abstandsregeln aufgerufen. Die Einschnitte in den Alltag zeigten Wirkung, sagte Spahn am Donnerstag in Berlin. Die Zahl der neu gemeldeten Infektionen flache sich ab. Die Entwicklung verlaufe eher wieder linear, nicht mehr exponentiell, sagte er mit Verweis auf Zahlen des Robert-Koch-Instituts.

Der Präsident der Einrichtung, Lothar Wieler, sagte, die Maßnahmen zeigten positive Wirkung. Mit Stand Donnerstag gab es Wieler zufolge 108.202 Covid-19-Fälle und 2.107 Todesfälle in Deutschland. Die Zahl der neu übermittelten Fälle sei weiter auf einem hohen Niveau, zu Beginn der Woche bei rund 4.000 täglich, am Donnerstag wieder bei 5.000. Die Schwankungen seien natürlich, zeigten aber auch, dass von einer Entspannung noch nicht ausgegangen werden dürfe, sagte Wieler.

Der Anteil der Verstorbenen liege bei 1,9 Prozent aller Erkrankungen. Er sei gestiegen, weil es zunehmend Ausbrüche der Krankheit in Pflegeheimen und Krankenhäusern gebe. Daher sei mit einem weiteren Anstieg zu rechnen, zu Beginn der Epidemie seien mehr jüngere Menschen krank geworden. Wie viele Menschen in den systemrelevanten Berufen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Lebensmittelhandel sich infiziert haben, ist laut Wieler nicht bekannt.

Die von Bund und Ländern beschlossenen Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens haben zum Ziel, die Zahl der Ansteckungen zu verringern. "Das ist gelungen", sagte auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), die gemeinsam mit Spahn und Wieler am Gründonnerstag vor die Presse trat. Der bisherige Verzicht auf vieles dürfe nicht umsonst gewesen sein, sagte Giffey.

Als Seniorenministerin sprach sich Giffey dagegen aus, ältere Menschen zu ihrem eigenen Schutz stärker einzuschränken als jüngere. "Ich bin nicht der Meinung, dass wir eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aufmachen sollten zwischen denen, die rausdürfen und denen, die drin bleiben müssen", sagte sie. "Wir brauchen andere Lösungen." Man könne an die älteren Menschen appellieren, sich vernünftig zu verhalten, statt ihnen verbieten zu wollen, das Haus zu verlassen. "Ältere Menschen sind mündige Bürger", betonte Giffey. Sie reagierte damit auf Vorschläge, älteren Menschen länger Einschränkungen aufzuerlegen als Nicht-Risikogruppen.

Spahn und Giffey appellierten an die Bevölkerung, sich auch bei positiver Entwicklung weiter an die Maßnahmen zu halten. Spahn hob hervor, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung bisher sehr hoch sei. Man müsse jetzt konsequent bleiben, sagte er. Dabei räumte er ein, der Verzicht auf Besuche bei Familie und Freunden zu Ostern falle schwer, auch ihm persönlich. Er werde auch den Gottesdienst am höchsten christlichen Fest vermissen, sagte der CDU-Politiker. Je besser aber die Befolgung der Regeln auch über das Osterfest gelinge, desto wahrscheinlicher werde eine schrittweise Rückkehr zur Normalität.

Spahn sprach sich dagegen aus, dabei zu schnell vorzugehen. Es sei besser, einzelne Schritte zu machen und die Folgen abzuwarten, bevor man weitergehe, als mutig voranzuschreiten und dann neue Einschränkungen beschließen zu müssen, sagte der Minister. Zudem müsse es weiter regionale Maßnahmen geben, wo dies nötig sei.

Am Mittwoch nach Ostern wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder beraten, ob die derzeit bis zum 19. April geltenden Kontakt- und Bewegungseinschränkungen gelockert werden und die Schließung von öffentlichen Einrichtungen und Geschäften schrittweise aufgehoben werden kann.

epd co/bm jup

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