Rettungsschiff "Alan Kurdi" fährt mit Schutzkleidung ins Mittelmeer

Rettungsschiff "Alan Kurdi" fährt mit Schutzkleidung ins Mittelmeer
Kirchliches Flüchtlingsschiff liegt wegen Corona in Spanien fest
Wochenlang kreuzte kein Rettungsschiff vor der libyschen Küste im Mittelmeer. Nun ist die "Alan Kurdi" auf dem Weg dorthin. Die Crew fühlt sich gerade in der Corona-Krise verpflichtet, Flüchtlinge zu retten - auch wenn es schwierig werden sollte.

Trotz der Corona-Krise ist das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" wieder zu einem Einsatz im Mittelmeer aufgebrochen. Das Schiff wird voraussichtlich am Wochenende die libysche Sicherheits- und Rettungszone erreichen, wie Sea-Eye-Sprecher Gordon Isler dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte. Dort werde die "Alan Kurdi" das einzige Rettungsschiff sein, um Flüchtlingen in Seenot helfen zu können. Wegen der Corona-Krise seien seit Wochen keine Rettungsschiffe mehr dorthin gelangt.

Die "Alan Kurdi" brach nach einer achtwöchigen Werftpause im spanischen Burriana auf. An Bord herrschten "höchste Sicherheitsvorkehrungen" für den Fall eines Corona-Ausbruchs, teilte die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye mit, die das Schiff betreibt. Für die Crew unter Kapitänin Bärbel Beuse gebe es ausreichend Schutzkleidung und einen Corona-Notfallplan. Man rechne auch mit großen Schwierigkeiten, sollte es zu einer Rettung von Geflüchteten kommen. Es könnte schwierig werden, einen sicheren Hafen zugeteilt zu bekommen.

Sea-Eye-Sprecher Isler sagte, schon immer habe man gerettete Flüchtlinge genau untersucht und große Vorsicht wegen möglicher ansteckender Krankheiten walten lassen. Corona sei kein Grund, die Rettung zu unterlassen. Wenn Flüchtlinge infiziert seien, bräuchten sie ja erst recht Hilfe. Sollte das Virus die libyschen Internierungslager erreichen, wäre das verheerend, warnte Isler.

Das von der evangelischen Kirche mitfinanzierte Flüchtlingsschiff "Sea-Watch 4" liegt unterdessen in der spanischen Hafenstadt Burriana fest. Aufgrund der Corona-Krise seien die Arbeiten weitgehend eingestellt worden, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer dem epd. Es sei derzeit nur sehr schwer absehbar, wie sich die Maßnahmen in Spanien entwickeln. Unklar sei auch, wann die Firmen später freie Kapazitäten haben. Wann das Schiff für Rettungsaktionen im Mittelmeer einsatzfähig ist, sei derzeit offen.

Etwa die Hälfte der Freiwilligen sei mittlerweile abgereist, teilte das Bündnis "United4Rescue" mit, das das Schiff finanziert hatte. Baumaterialien seien derzeit nicht zu bekommen, weil die Geschäfte weitgehend geschlossen haben. Mit dem vorhandenen Material und Werkzeug arbeite die verbliebene Crew am Schiff jedoch weiter, um den Umbau voranzubringen.

Das ehemalige Forschungsschiff war am 20. Februar in Kiel getauft worden. Finanziert wurde es vom Bündnis "United4Rescue", das maßgeblich von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiiert wurde. Für 1,5 Millionen Euro wurde das Schiff ersteigert. Etwa 500.000 Euro wurden für Umbau und Transport ins Mittelmeer veranschlagt. Mit der Taufe wurde das Schiff offiziell an die Hilfsorganisation Sea-Watch übergeben, die derzeit keines ihrer Schiffe im Mittelmeer einsetzen kann.

epd lnh/lbm/et jup

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