Politikwissenschaftler: Religiöser Einfluss in Corona-Krise virulent

Politikwissenschaftler: Religiöser Einfluss in Corona-Krise virulent

Der Politikwissenschaftler Andreas Jacobs sieht beim Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus den Einfluss von Religionen auf das politische Handeln als Problem. Im Zuge der Corona-Krise zeige sich, wie virulent das Verhältnis von Religion und Politik in vielen Staaten der Welt sei, schreibt der Abteilungsleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in einer Kurzanalyse, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Er verweist darin auf Staaten, die religiöse Massenveranstaltungen aus Rücksicht auf die einflussreichen Gemeinschaften nicht abgesagt haben.

Insbesondere für Regime, deren Herrschaft auf religiöser Legitimierung beruhe, sei die Beschränkung religiöser Praxis ein grundsätzliches Problem, schreibt Jacobs, der die Abteilung "Gesellschaftlicher Zusammenhalt" bei der CDU-nahen Stiftung leitet. Als Beispiele nennt er unter anderen die späte Schließung von Pilgerstätten im Iran, die anfängliche Weigerung zur Absage von Freitagsgebeten in der Türkei oder volle katholische Gottesdienste in Tansania.

"Ähnlich wie bei der Terrorbekämpfung ist auch bei der Virusbekämpfung eine enge Verquickung von Religion oder Politik oder mehr noch die religiöse Rechtfertigung politischer Herrschaft ein Problem", schreibt Jacobs. Das Coronavirus treibe vor allem religiös-nationalistische Regime in eine Zwickmühle zwischen gesundheitlichen Notwendigkeiten und den Forderungen religiöser und politischer Fanatiker.

Weiter schreibt Jacobs, religiöse Autoritäten in allen Weltregionen und -religionen zeigten auch, dass gesellschaftlich verantwortungsbewusstes Handeln möglich sei. In der katholischen Kirche werde konstruktiv über das Für und Wider von Digitalmessen gestritten. Muezzine appellierten an Gläubige, zu Hause zu beten. Zum ersten Mal in der Geschichte seien zudem die heiligsten Stätten des Islams für Besucher geschlossen. "Vernunft und Glaube sind in allen Weltreligionen kein Gegensatz", schreibt Jacobs und ergänzt: Bei den bevorstehenden Festen - Ostern, Pessach und Ramadan - werde sich zeigen, ob sich Herrscher auch gegen die Stützen ihrer Herrschaft stellten.

In Deutschland sind derzeit Versammlungen auch für Religionsgemeinschaften verboten. Gottesdienste werden nicht mehr abgehalten. Religionsgemeinschaften setzen verstärkt auf Online-Angebote, und Repräsentanten der Kirchen rufen selbst dazu auf, sich an die Regeln zur Eindämmung des Coronavirus zu halten.

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