Mindestens 25 Tote bei Anschlag auf Sikh-Tempel in Afghanistan

Mindestens 25 Tote bei Anschlag auf Sikh-Tempel in Afghanistan
Afghanistan kommt nicht zur Ruhe - trotz des Friedensabkommens zwischen den USA und den Taliban. Andere Terrorgruppen schlagen weiter zu. Am Mittwoch wurden Gläubige einer religiösen Minderheit in ihrem Heiligtum angegriffen.

Bei einem Terroranschlag auf einen Sikh-Tempel in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Mittwoch mindestens 25 Menschen getötet und acht weitere verletzt worden. Eine Gruppe von vier bewaffneten Männern griff das Heiligtum in der Schorbasar-Gegend am frühen Morgen an, wie der TV-Sender "Tolo News" berichtete. Um die 150 Menschen befanden sich zu dieser Zeit zum Gebet im Tempel.

Attentäter und Sicherheitskräfte kämpften über sechs Stunden hinweg um die Kontrolle über den Tempel. Es waren Schüsse und Explosionen in der Gegend zu hören. Laut Angaben des Innenministeriums konnten etwa 80 Menschen, darunter Frauen und Kinder, gerettet werden. Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich laut der amerikanischen Terror-Watchgroup SITE zu dem Anschlag.

Das islamische Afghanistan hat einen kleine Minderheit von etwa 8.000 Sikhs, die vor allem in den Großstädten leben. Ein Großteil der Sikhs hat Afghanistan während des Bürgerkrieges in den 1990er Jahren verlassen. Der Exodus hält weiter an. Im Juli 2019 wurden bei einem Anschlag des IS auf eine Gruppe von Sikhs in der Stadt Dschalalabad mindestens 19 Menschen getötet.

Der Anschlag am Mittwoch erfolgte gut ein Monat nach Abschluss des Friedensabkommens zwischen den USA und den radikal-islamischen Taliban, das einen vollständigen Rückzug der US-Truppen aus Afghanistan innerhalb von 14 Monaten vorsieht.

Auch die Aufnahme innerafghanischer Friedensgespräche ist vereinbart. Die Bemühungen kommen aber nicht gut voran, da Präsident Aschraf Ghani zögert, die geforderten 5.000 gefangenen Taliban-Kämpfer freizulassen. Zudem erkennt sein Herausforderer bei der Präsidentenwahl vom September, Abdullah Abdullah, seine Niederlage nicht an und rief eine Parallelregierung aus.

Der Sikhismus ist eine religiöse Reformbewegung, die im 15. Jahrhundert aus dem Hinduismus hervorging. Sie ist vor allem in der Punjab-Provinz in Nordindien stark. Männer tragen zumeist bunte Turbane.

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