Brief an Corona-Krisenstab: Organisationen fürchten Versorgungslücken

Brief an Corona-Krisenstab: Organisationen fürchten Versorgungslücken

Hunderttausende Menschen in Deutschland könnten nach Befürchtungen von Hilfsorganisationen und Verbänden durch das Netz der Corona-Eindämmung fallen. Ihre Zielgruppen seien einer besonders hohen Ansteckungsgefahr ausgesetzt, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten offenen Brief von mehr als 40 Organisationen an den Corona-Krisenstab der Bundesregierung. Darunter seien zum Beispiel Menschen, die obdachlos sind oder in beengten Wohnverhältnissen leben. Sie könnten oft nicht die notwendigen Hygienemaßnahmen einhalten oder sich selbst isolieren. Auch zu Informationen über das Coronavirus und die Lungenkrankheit Covid-19 fehle vielen der Zugang.

Prekäre oder illegale Arbeitsverhältnisse führten weiter dazu, dass Menschen auch mit Corona-Symptomen noch arbeiten gehen müssten, erklärten die Organisationen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich, darunter die Diakonie Deutschland, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Deutsche AIDS Hilfe. Außerdem seien bei Nicht-Versicherten die Kostenübernahme von Tests und Behandlung weder für Betroffene noch für Gesundheitsanbieter ausreichend und transparent geklärt. Und vor allem Menschen, die ohne geregelten Aufenthaltsstatus in Deutschland leben, blieben oft "unter dem Radar des regulären Gesundheitssystems".

Die Unterzeichner des offenen Briefes fordern die Bundesregierung auf, die Kostenübernahme für Diagnostik und Behandlung für alle Menschen sicherzustellen, bei Bedarf auch anonym. Zudem müsse eine Übermittlung von Patientendaten an die Ausländerbehörde verboten werden. Für Menschen, die obdachlos sind oder mit anderen auf engem Raum leben, müssten Quarantänewohnungen zur Verfügung gestellt werden. Zudem bräuchten Beratungsangebote und Anlaufstellen für besonders gefährdete Zielgruppen zusätzliche materielle Unterstützung.

"Wenn die Bundesregierung die Corona-Krise beenden will, muss sie die Versorgung aller Menschen in Deutschland sicherstellen", betonte sagt François de Keersmaeker, Direktor von "Ärzte der Welt".

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