Stiftung Childaid Network: In Schwarztee steckt Kinderarbeit

Stiftung Childaid Network: In Schwarztee steckt Kinderarbeit
28.02.2020
epd-Gespräch: Silvia Vogt
epd

Guwahati (epd). In Schwarztee in deutschen Supermärkten steckt nach Überzeugung der Stiftung Childaid Network nach wie vor Kinderarbeit. "Sie können davon ausgehen, dass hier etwa 20 Prozent der Zehnjährigen arbeiten", sagte Stiftungsvorstand Martin Kasper dem Evangelischen Pressedienst (epd) in der Tee-Anbauregion des indischen Unionsstaats Assam. "Bei den 15-Jährigen sind es schon rund die Hälfte."

In den Plantagen "gibt es natürlich noch Kinderarbeit", betonte Kasper. "Aber die arbeiten selbstverständlich nicht, wenn der Minister kommt", sagte er mit Blick auf den Besuch von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) am Donnerstag in Assam. Dabei sei die Kinderarbeit auch auf den Teeplantagen aus der Not geboren: Wenn die dort beschäftigten Mütter für ihre Arbeit nur einen Tageslohn von 1,50 Euro bekämen, hälfen die Töchter mit, um das Gehalt aufzustocken. An Schule ist dabei nicht zu denken.

Mit den Partnerorganisationen vor Ort hat Childaid Network in den vergangenen Jahren rund 30.000 Jugendliche, die wegen ihrer Kinderarbeit nie Lesen und Schreiben lernten, aus den Plantagen und entlegenen Dörfern in Assam geholt und sie nachträglich alphabetisiert. Von extrem ausbeuterischer und gesundheitsgefährdenden Arbeit befreit hat die Stiftung zudem Kinder in Steinbrüchen und -mühlen am Rand der Metropole Guwahati. "Als wir vor sieben Jahren zum ersten Mal hierher kamen, sahen wir siebenjährige Mädchen, die die Steine in Akkordarbeit in die Mühle warfen", sagte Kasper vor Ort an einer solchen Steinmühle. "Schauen Sie sich die Staubschichten auf den Pflanzen an. Dann können Sie sich vorstellen, wie die Lungen der Kinder aussahen."

Oder die Müllhalde in einem Slum von Guwahati: Dort leben laut Childaid Network rund 70 Familien von Erlösen aus Flaschen, Metallen und Elektroschrott. Auch an die 300 Kinder durchsuchten den oft giftigen Müll nach Verwertbarem. "Wir holen die Kinder aus der Müllkippe raus, duschen sie und bringen sie zur Schule", sagte Kasper.

Das alles gehe jedoch nur, wenn die Familien und Gemeinden mitmachten. Denn schließlich fehlten dann die Arbeitskräfte. Mit Hilfe von Sozialarbeitern funktioniere dies aber in den meisten Fällen. "Die Eltern engagieren sich oft selbst und sorgen dafür, dass die Kinder zur Schule gehen und die Jugendlichen zu Nachschulungskursen. Weil die Mütter selbst gemerkt haben, wie schnell sie ohne Lesen und Schreiben an ihre Grenzen kommen." Allein in den Teeplantagen seien mehr als 90 Prozent der Pflückerinnen Analphabetinnen.