Sinti und Roma warnen vor wachsender Radikalisierung

Sinti und Roma warnen vor wachsender Radikalisierung
22.02.2020
epd-Gespräch: Michael Bosse
epd

Vertreter der Sinti und Roma in Deutschland warnen vor den Folgen einer zunehmenden Radikalisierung in der Gesellschaft und einer wachsenden Ausgrenzung von Minderheiten. Der Terroranschlag von Hanau komme "nicht überraschend" und die Toleranz gegenüber Vertretern von Minderheiten sinke kontinuierlich, sagte Oswald Marschall, Referatsleiter im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Dortmund. Im Kulturzentrum "Dortmunder U" diskutierten am Freitag und Samstag knapp hundert Teilnehmer eines "Bürgerdialogs" darüber, wie Antiziganismus - der Abneigung oder Feindschaft gegenüber Sinti und Roma - begegnet werden kann.

Unter anderem zeige eine Studie der Universität Bielefeld, dass Sinti und Roma weiterhin unter Diskriminierung litten, erklärte Marschall. Demnach wollten etwa 60 Prozent der Befragten keine Sinti- oder Roma-Familien in ihrer Nachbarschaft oder Vertreter der Minderheit als Arbeitskollegen haben. Bei Veranstaltungen wie der in Dortmund gehe es darum, Vorurteile abzubauen und praxisorientierte Strategien zu entwickeln, wie man erfolgreich gegen die Benachteiligung von Sinti und Roma in Deutschland vorgehen könne.

Emran Elmazi, Referatsleiter Dialog im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, plädierte für die Einrichtung einer Monitoringstelle zur Erfassung antiziganistischer Vorfälle. Die Stelle solle ähnlich wie die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus arbeiten, sagte Elmazi dem epd. So gab es laut einer Erhebung der Berliner Polizei im Jahr 2018 mehr als 50 Fälle mit antiziganistischem Motiv. Die Vertreter des Zentralverbands gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist.

Zugleich beklagen sie, dass Angehörige ihrer Minderheit bei terroristischen Anschlägen oft nicht benannt würden. Das sei auch beim Anschlag in Hanau der Fall gewesen, als mindestens eine junge Romni starb. Zudem befinde sich möglicherweise noch ein junger Sinto unter den Opfern. In der Berichterstattung in den Medien werde zu oft verschwiegen, dass auch Angehörige der Sinti und Roma unter den Opfern rechtsterroristischer Gewalt seien. Angehörige dieser Minderheit würden oft gar nicht erwähnt, bedauerte Elmazi.

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