Ethikrat: Trans-Kinder nicht gegen ihren Willen medizinisch behandeln

Ethikrat: Trans-Kinder nicht gegen ihren Willen medizinisch behandeln

Der Deutsche Ethikrat rät Eltern von Trans-Kindern medizinische und psychologische Behandlungen nicht gegen deren Willen durchzusetzen. Heranwachsende sollten in alle Entscheidungsprozesse einbezogen und ihre Vorstellungen der Reife und dem Alter entsprechend berücksichtigt werden, heißt es in einer von dem Expertengremium verabschiedeten Empfehlung, wie der Ethikrat am Freitag in Berlin mitteilte.

Bei Heranwachsenden erforderten die entsprechenden therapeutischen Maßnahmen eine besondere ethische Reflexion. Der Umgang mit jungen Betroffenen sei schwierig, da sich eine Reflexions- und Entscheidungsfähigkeit erst entwickle und die in der Pubertät stattfindende körperliche Entwicklung Zeitdruck schaffe.

Außerdem raten die Mitglieder, die therapeutische Interaktion mit dem Kind so zu gestalten, dass es an die Entscheidungen herangeführt wird, die mit zunehmendem Alter folgenreicher werden. Sei das Kind hinreichend urteilsfähig, um die Tragweite und Bedeutung der geplanten Behandlung zu verstehen, müsse sein Wille maßgeblich berücksichtigt werden.

Ohne seine Zustimmung oder gar gegen seinen Willen - allein aufgrund der Einwilligung seiner Eltern - dürfe das Kind nicht behandelt werden, erklärt das Gremium weiter. Nutzen und Schaden der teilweise umstrittenen medizinisch-therapeutischen Maßnahmen müssen nach Ansicht der Experten in jedem individuellen Fall sorgfältig abgewogen werden.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, deren empfundene geschlechtliche Identität von der personenstandsrechtlich zugeschriebenen Geschlechtszugehörigkeit abweicht, ist nach Angaben des Ethikrats in den letzten Jahren sehr stark gestiegen. Laut Geburtsgeschlecht weibliche Jugendliche suchten besonders häufig entsprechende Beratung.

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