Mediziner: Angeklagter Pflegehelfer brachte Frau in Lebensgefahr

Mediziner: Angeklagter Pflegehelfer brachte Frau in Lebensgefahr

Im Prozess gegen einen Pflegehelfer vor dem Bremer Landgericht wird die Tragweite des mutmaßlichen Handelns des Angeklagten immer deutlicher. Im Frühjahr vergangenen Jahres soll der heute 40-Jährige laut Staatsanwaltschaft zwei Bewohnerinnen eines diakonischen Pflegeheims in der Hansestadt ohne medizinische Notwendigkeit Insulin gespritzt haben. Eine 75-Jährige schwebte dadurch mehrere Tage lang in Lebensgefahr. "Wenn wir nichts gemacht hätten, wäre sie gestorben - hundertprozentig", sagte der behandelnde Chefarzt am Mittwoch vor der Strafkammer (AZ: 1 KLs 250 Js 22271/19).

In seiner Vernehmung bei der Polizei hatte der Angeklagte gestanden, dass er absichtlich falsche Medikamente verabreicht hatte. Danach rief er selbst einen Notarzt. Die 75-Jährige wurde daraufhin in das Krankenhaus St.-Joseph-Stift gebracht. Dort wurde sie intensivmedizinisch behandelt und von dem Chefarzt betreut.

Sie sei zunächst komatös gewesen und habe über drei Tage Glucose bekommen, berichtete der Mediziner auf Fragen des Vorsitzenden Richters Manfred Kelle. Es habe sich um eine sehr ausgeprägte und sehr lange Unterzuckerung gehandelt. Er habe sich gedacht: "Hier stimmt etwas nicht."

Der Internist hatte befürchtet, dass durch die Unterzuckerung ein Hirnschaden eingetreten sein könnte. Als die Frau dann aufgewacht sei, habe sich herausgestellt, dass es keine dauerhaften Schäden gebe - "zum Glück".

Schon im Dezember hatte eine Sachverständige vor Gericht ausgesagt, dass nach entsprechenden Untersuchungen im Blut der Bewohnerin ein Langzeit-Insulin gefunden wurde, und zwar ein "exorbitant hoher Wert". Vor Gericht äußerte sich der unter anderem wegen Betrugs mehrfach vorbestrafte Pflegehelfer bisher nicht zu den Vorwürfen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Der Prozess soll am 10. Februar fortgesetzt werden.

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