Bischöfe: Missbrauchsaufarbeitung braucht weiterhin volle Kraft

Bischöfe: Missbrauchsaufarbeitung braucht weiterhin volle Kraft

Die katholischen Bischöfe in Deutschland wollen nach eigener Aussage kontinuierlich und mit voller Kraft weiter an der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals arbeiten. Auch nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im September 2018 sei das Thema nicht abgeschlossen, heißt es in einer Erklärung des Ständigen Rates der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, die am Dienstag in Bonn veröffentlicht wurde. Die Bischöfe bitten in ihrer Erklärung um Verständnis, dass die Aufarbeitung viel Zeit brauche. "Aus der Verantwortung werden wir uns nicht nehmen."

Zu den Konsequenzen aus der Studie zählen laut der Erklärung unter anderem ein übergeordnetes Monitoring für die Aufarbeitung über alle Diözesen, eine unabhängige Aufarbeitung, die auch zu klären habe, wer über die Täter hinaus institutionell Verantwortung getragen habe und die Fortentwicklung des Verfahrens zur materiellen Anerkennung erlittenen Leids. Außerdem gibt es Überlegungen zur Einrichtung kirchlicher Strafgerichte und einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit. Eine kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit wird auch beim sogenannten Synodalen Weg zur Sprache kommen. Der innerkatholische Reformdialog zwischen Bischöfen und Laien hatte offiziell am 1. Dezember begonnen. Von Donnerstag bis Sonntag trifft sich die Synodalversammlung zum ersten Mal in Frankfurt a.M.

Gerade die Frage der Entschädigungsleistungen sorgt derzeit für Diskussionen. Betroffenenvertreter hatten im September bei der Herbst-Vollversammlung der Bischofskonferenz zwei Modelle vorgeschlagen. Eins sieht eine pauschale Entschädigungssumme von 300.000 Euro für jeden Betroffenen und jede Betroffene vor, das zweite Modell umfasst individuelle Leistungen zwischen 40.000 bis zu 400.000 Euro im Einzelfall. Die Bischofskonferenz berät derzeit über die Vorschläge. Diskutiert wird auch, ob Kirchensteuermittel für die Entschädigungsleistungen verwendet werden.

Vor zehn Jahren hatte der Jesuitenpater Klaus Mertes Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg offengelegt. Mertes war damals Direktor des Kollegs. Drei Betroffene hatten ihm vom Missbrauch an der Schule berichtet, Mertes schrieb daraufhin einen Brief an ehemalige Schüler, um noch mehr Betroffene zu finden. Der Brief wurde am 28. Januar 2010 öffentlich.

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