Rörig fordert Pakt gegen Missbrauch an Kindern

Rörig fordert Pakt gegen Missbrauch an Kindern

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat zehn Jahre nach Aufdeckung sexuellen Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche mehr Aufmerksamkeit der ganzen Gesellschaft gefordert. "Ich fordere einen Pakt gegen sexuellen Missbrauch für ein ganz großes Ziel: die maximale Reduzierung der sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche", sagte er am Dienstag in Berlin.

Dieser Pakt brauche Unterstützung aller Bürgerinnen und Bürger, "auch vom ersten Mann im Staat", ergänzte Rörig und nannte namentlich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er müsse "diesen Abgrund der Gesellschaft in seine Reden aufnehmen", beispielsweise auch in die Weihnachtsansprache. Der Bundespräsident könne dem Thema damit eine höhere Priorität beimessen.

Rörig forderte auch von den politischen Parteien "eine viel stärkere Programmatik". Sie müssten ihre Haltung in Programmgrundsätze gießen, sagte er. Bislang werde die Bekämpfung allein dem Kinderschutz zugeordnet ohne konkrete Vorhaben und ohne interdisziplinären Blick.

Der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs zog am Dienstag Bilanz über das Erreichte seit dem Bekanntwerden des Missbrauchsausmaßes. Rörig kritisierte, dass die Gesellschaft bei dem Thema noch oft wegsehe. "Auch im Jahr 2020 wird zum Thema sexuelle Gewalt ohrenbetäubend geschwiegen, das Thema mit großer Gelassenheit zur Kenntnis genommen von weiten Teilen der Politik, weiten Teilen der Gesellschaft und auch der Bevölkerung", sagte er.

Ende Januar 2010 hatte der Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, Missbrauchsfälle an dem katholischen Internat aus den 70er und 80er Jahren öffentlich gemacht. Der Missbrauchsskandal löst deutschlandweit Erschütterung aus. Zahlreiche weitere Fälle in der katholischen und evangelischen Kirche, an der hessischen Odenwaldschule und anderen Internaten sowie in Sportvereinen und weiteren Einrichtungen wurden in der Folge bekannt.

Meldungen

Top Meldung
Brandenburger Tor in Berlin mit Anti-AfD-Schild
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat nach dem Anschlag von Hanau zum gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgerufen.