Dreyer bittet verfolgte Homosexuelle um Entschuldigung

Dreyer bittet verfolgte Homosexuelle um Entschuldigung

Bei der zentralen rheinland-pfälzischen Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Herrschaft haben Landtag und Landesregierung an die inhaftierten und ermordeten Homosexuellen erinnert. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) beklagte bei einer Sondersitzung des Landtags am Montag in der KZ-Gedenkstätte Osthofen bei Worms, dass die Verfolgung homosexueller Männer mit dem Ende der NS-Diktatur noch nicht beendet gewesen sei. "1945 gab es keine Stunde null", sagte sie. "Erlittenes Unrecht wurde weder anerkannt noch entschädigt."

Stattdessen hätten in den 50er Jahren schwule Männer erneut vor denselben Richtern gestanden, die sie schon in der NS-Zeit zu Gefängnisstrafen oder KZ-Haft verurteilt hätten. Alle Opfer bitte sie dafür um Verzeihung: "Das ist ein zutiefst beschämender und bedrückender Teil unserer deutschen und auch rheinland-pfälzischen Geschichte", sagte die Ministerpräsidentin.

Der Historiker Michael Schwartz erinnerte daran, dass das in der NS-Zeit verschärfte Homosexuellen-Strafrecht in Westdeutschland noch zwei Jahrzehnte lang unverändert in Kraft geblieben sei. "Das hatte zur Folge, dass in unserer Demokratie rund 50.000 Männer wegen homosexueller Handlungen auf der Grundlage von Nazi-Strafrecht verurteilt worden sind - ebenso viele, wie in den zwölf Jahren der NS-Herrschaft selbst."

Das NS-Regime habe zwar nur einen geringen Anteil der Homosexuellen in Deutschland tatsächlich zu Gefängnisstrafen verurteilt oder in Konzentrationslager gebracht. Und im Vergleich zu den Völkermorden an Millionen jüdischer Menschen oder an den Roma und Sinti seien die Homosexuellen zahlenmäßig nicht die größte Opfergruppe. Allerdings hätten alle unter der ständigen Angst leben müssen, denunziert und verfolgt zu werden. Viele seien auch in den Suizid getrieben worden.

Das KZ in Osthofen war bereits im Frühjahr 1933 auf dem Gelände einer stillgelegten Papierfabrik nördlich von Worms eingerichtet worden. Wie die meisten der etwa 100 anderen frühen Konzentrationslager wurde es bereits 1934 wieder aufgelöst.

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